http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0340
LINDA KÖGEL
FRESKO. LINKES TEILBILD AUS DEM
ABENDMAHL IN DER LISTER KIRCHE
male und Inhaltliche klingt im Bild, dieses
mit dem Raum zusammen.
Eigenhändige Leistungen der Künstlerin sind
die beiden Fresken links und rechts vom Abendmahl
, sowie dessen zwei äußerste Gestalten. Die
Hauptgruppe hat Horrmeyer nach dem Karton
und den Farbenskizzen von Linda Kögel in
Tempera ausgeführt; den Taufgang und die
Tröstung malten nach gleichen Vorlagen die
Fräulein Müllenstiefen und Büchsei in Tempera.
Die Hauptkraft sammelt sich naturgemäß im
Abendmahl. Unzählige Male wurde es seit der
altchristlichen Zeit dargestellt, bis Lionardo die
endgültige Lösung gefunden zu haben schien.
Nach ihm wird es mittels des Raumes vielfach
neu abgewandelt. Verhältnismäßig selten, meist
im Zusammenhang mit dem Kommuniongedanken
, wie bei Fiesole, findet sich der Wechsel
sitzender, kniender und stehender Gruppen. Hier
ergibt sich dieser Rhythmus ungezwungen aus
der architektonischen Umgebung. Sie ermöglicht
die Vertikaleinfügung des Bildes in die
Höhenrichtung des Chores und mildert die überlange
Horizontale des Tisches. Der Gesamtkomposition
erstehen aus dieser Anordnung wirksame
Zäsuren, die des Herrn ruhige Erhabenheit
gegenüber den ergriffenen Jüngern noch
mehr betonen. Wohl deshalb hat der ursprüngliche
Entwurf eine entsprechende Änderung erfahren
. Außerdem hebt sich Christus durch die
offene Türe von dem dunklen Hintergrund noch
besonders ab. Hoheitsvoll und ergeben zugleich
verkündet er seinen blutigen Hingang, zu dessen
Gedächtnis er das Abendmahl einsetzt. —
Daher die wehmütige und andächtige Stimmung
der um ihn Versammelten. Ihr nordisches Gepräge
steigert sich zu allgemein menschlicher
Größe, der die gefühlsdurchdrängten Gebärden
überirdischen Ausdruck verleihen. Zu den Seiten
dehnt sich das niedersächsische Land in österlicher
Frühlingsstimmung: links Birken und
dunkle Heide, rechts Lindenbäume und Weideland
. Schwebenden Schrittes eilen Mädchen im
Konfirmandenalter herbei, mit den Knaben zur
gesammelten Schar werdend. Der Abendmahlsraum
wandelt ihr Schreiten zum scheuen Nahen,
ja gebannten Schauen, das im rührenden Händefalten
des Kindes Gebet wird. Rechts harren
296
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0340