Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 305
(PDF, 126 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0351
DEUTSCHE ZEICHENKUNST IM 19. JAHRHUNDERT
IN DER NATIONALGALERIE BERLIN*)

Die Zeichnung ist der Brief des bildenden
Künstlers. Eine unmittelbare Niederschrift,
durch keine rationelle Zwecksetzung bestimmt.
Die Literaturgeschichte hat dieses Element stets
strenger dem Lebensbau der Schaffenden eingegliedert
. In der Malerei blieb es lange eine
Geschmacksangelegenheit in den Augen der
Sammler — wenngleich auch eine der vornehmsten
, die sich um Kunst bemühte. Was
dann die „historische" Kunstgeschichte mit den
Zeichnungspublikationen befolgte, war Komplettierung
des Studiums der Gemälde. Erst langsam
— und nicht zuletzt durch die Umstellung
des Interesses auf das Psychologische im Schaffen
, welches der Impressionismus nach sich zog
—, wurde die Zeichnung zum ungetrübtesten
Quell künstlerischen Verständnisses. Ohne Frage
eine bedeutende Verfeinerung des nachempfindenden
Aufnehmens, das in manchen Augenblicken
gleichsam in das Tempo des Gestaltens
sich hinaufzufiebern vermag. Ohne Frage aber
auch eine gewisse Gefahr für die Stetigkeit der
Willensenergien der Künstler selbst, die sich

*) Den Reproduktionen unseres Aufsatzes liegen die Lichtdruckwiedergabenaus
dem Tafelwerk über die Handzeichnungen
der Nationalgalerie, die wir mit freundlicher Genehmigung des
Verlages Julius Bard in Berlin benützen, zugrunde.

schon in der bloßen „Äußerung" verstanden
fühlen, wie auch für die Genießenden, die den
bloßen Reiz an die Stelle des Erlebnisses setzen
könnten.

Auffällig bleibt aber, daß trotz jenen Empfänglichkeiten
für das subjektive Empfinden,
welche den Kunstliebhabern heute näher liegen
als die Erkenntnisse historischer Relationen, die
Zahl der Zeichnungssammler, wenigstens auf
dem Gebiet der modernen Kunst, verschwindend
klein ist gegenüber den Sammlern moderner
Graphik. Es war daher eine kluge Tat Ludwig
Justis, des Direktor der Nationalgalerie, dem
reichen Schatz deutscher Zeichnungen eine Wahl
von hundert Blättern zu entnehmen, sie im
Vorsaal zur Abteilung der Zeichnungen, die
jetzt im Kronprinzenpalais untergebracht ist,
aufzuhängen und zur Förderung ihres Verständnisses
einen großangelegten Führer*) beizugeben
, der diese hundert Typen eingehend
behandelt. Durch diese Isolierung wird der Ge-

*) Auf 180 Seiten mit hundert Abbildungen gibt Justi hier
nicht nur einen Begleittext, sondern ein Stück Geschichte der
Kunst des 19. Jahrhunderts, das in der scharfen Akzentuierung
der Probleme und der sicheren Darstellung eine der instruktivsten
Galerieveröffentlichungen darstellt. (Verlag Julius Bardv
Berlin.)

Die Kunst für Alle. XXXV. 17/18. Juni 1920

305

42


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0351