Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 322
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EDVARD MÜNCH

DOPPELBILDNIS

hatte, wieder nach Berlin bringen würde, er wäre
allgemeiner Huldigung gewiß. Und wenn er eine
Auswahl der Werke seiner späteren Entwicklungsphasen
hinzufügte, so würde man klar erkennen,
wie die großen Hauptzüge seines Lebenswerkes
bereits in jener Frühzeit ausgeprägt waren. Doch
wir wollen gerecht sein: allzusehr kann die Verblüffung
, die vor fast einem Menschenalter das
erste Auftreten des Norwegers hervorrief, auch
wieder nicht in Staunen setzen. In überstürzter
Schnelligkeit folgten sich damals die Eindrücke.
Gerade hatte sich Auge und Kopf des Publikums
mit den Gedanken des Impressionismus
auseinanderzusetzen versucht, und schon schnitt
bereits in den allgemeinen Aufruhr der Kunstvorstellungen
eine Gegenbewegung hinein. Der
Maler Münch schien alles oder mindestens sehr
vieles von dem, was eben erst als neue, noch halb
unverstandene Anschauung in Deutschland eingedrungen
war, zu bestreiten. Das war nicht auf den
ersten Schluck zu verdauen, und es ist nur natürlich
, daß es einer Zeitspanne von Jahren bedurfte,
um Ordnung in die Gehirne zu bringen . . . .

Uns Heutigen gilt Münch neben Cezanne und
van Gogh als einer der drei großen Führer,
die aus der impressionistischen Kunst herausführten
. Ihr Schaffen ist von grundverschiedenen
Ausgangs- und Zielpunkten bestimmt, die
von den Persönlichkeiten bedingt wurden, aber
es ist dennoch zusammengehalten durch eine
große Gemeinsamkeit. Sie lag einmal in der
Übersättigung mit den Gewohnheiten und Ergebnissen
des Impressionismus, der ja um 1890
außerhalb Deutschlands, vor allem in Paris,
bereits auf ein ehrwürdiges Alter zurückblickte.
Sie lag andererseits in der heißen Sehnsucht
des Geschlechts vom Ende des abgelaufenen
Jahrhunderts, über den leidenschaftlichen Naturdienst
der früheren Generationen zu einer künstlerischen
Auffassung emporzusteigen, die über
und hinter dem Sichtbaren an die tieferen Geheimnisse
der Formenwelt rühren wollte. Die
drei Meister suchten diesen Weg ins Neue und
Zukünftige nicht durch einen kühnen Sprung,
sondern durch eine organische Fortbildung des
Gewesenen zu gewinnen. Sie waren selbst aus

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