Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 326
(PDF, 126 MB)
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EDVARD MÜNCH

LANDSTRASSE

sich deutlich erkennbare Fäden zu der impressionistischen
Lehre hinüberziehen. Aber es ist
interessant, zu beobachten, wie sich just aus
der Durchdenkung ihrer Mittel seine neue Art
entwickelte. Aus jener Epoche stammt das Tanzbild
, das hier in einer Wiedergabe erscheint.
Im Prinzip durchaus eine „Impression", ja ein
klassisches Beispiel für die Neigungen einer Malerei
, die auf den Augenblicksreiz gestellt ist.
Doch indem ein Äußerstes gewagt und die Freude
am Festhalten der Bewegtheit und des Momentanen
bis zum Letzten gesteigert wird, taucht
zugleich ein Neues auf. Die Stellung des Künstlers
zu seinem Objekt hat sich verändert. Was
das Wesentliche in allem Streben der jungen
Kunst ist, klopft bereits an die Tür: die Einmaligkeit
des gewählten Motivs wird überwunden
und einer allgemeineren Gültigkeit zugeführt,
die aus einer vertieften geistigen Erfühlung des
Objekts erwachsen ist. Wir sehen ein undeutliches
Schwirren von tanzenden Paaren und Zuschauern
. In heißer Luft ein wirbliges Drehen.
Alles will verschwimmen und ineinander gleiten.
Doch das Schwebende, Flutende wird durch

die Festigkeit und Gesetzmäßigkeit ordnender
Formelemente merkwürdig zusammengehalten.
Nach einem gewiß nicht bewußten, sondern instinktiven
Plane sind in sorgsamem Wechsel
und bedachten Stufungen die Massen von Hell
und Dunkel über die Fläche verteilt. Links ein
schwarzer Schrank. Daneben ein helles Frauenkleid
. Wieder daneben eine dunkle Männerfigur.
Rechts ebenso eine helle Frauenfigur neben
einer dunklen Partie, und ganz in der Ecke
rechts unten die schwarzbraunen Stuhllinien.
In der Mitte der gleiche Wechsel, weniger stark
betont, aber erkennbar genug. Mitten durch das
Bild, es fast in zwei gleiche Teile zerschneidend,
zieht sich eine Querlinie, die das Ganze energisch
zur Ordnung preßt. Und schon spricht
deutlich ein später von Münch immer wieder angewandtes
Wirkungsmittel mit: die Wiederkehr
gleicher Formgestaltungen, welche die Intensität
des Ausdrucks steigert. Die betonten Rechtecke
des Schrankes links und des sitzenden Frackherrn
rechts klingen wieder an in dem Spiegel
und dem Bildrahmen der Rückwand und werden
noch einmal, gewandelt, aufgenommen durch

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