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EDMUND MOELLER
MEIN JUNGE
EDMUND MOELLER
Das Wesen der Kunst aller Zeiten ist Ausdruck
. Inhalt und Form sind wandelbar und
wechseln. Sie spiegelten noch immer Wollen und
Wünschen der Schöpfer und ihrer Zeiten. Heute
sind es die vielgestaltigen Erscheinungen des Teils
vom modernen Kunstschaffen, der den Namen
Expressionismus für sich geprägt hat, nicht mehr
allein, die einen Zug von Geistigkeit und insbesondere
einen starken Strom von Innerlichkeit
in sich tragen und fühlbar machen. Er durchdringt
die beste Kunst unserer Tage allgemein.
Der Vergangenheit gehören der klassische und
nachklassische Formalismus wie die jähen Entwicklungsfolgen
der Wirklichkeitsschilderung.
Aber letzte reife Erkenntnisse aus ihnen wirken
fruchtbar nach in der modernen Kunst, die nun
das lange vergessene Elementare der Erscheinung
und des Sehens wieder aufsucht. Eine
Verwandtschaft mit Jahrtausende alten künstlerischen
Grundanschauungen wird im modernen
Kunstempfinden wieder offenbar.
So schwingen auch feinste Kulturklänge nach
und verschmolzen in Ureigenem in der jungen
Kunst von Eduard Moeller. Man kann seine Würdigung
zusammenfassen in die Worte: Er ist
ein begnadeter, aus der Fülle innersten Lebensgefühls
schaffender Bildhauer vom Stamme des
Michelangelo.
Der wahre Bildhauer steht vor dem Block.
In der formlosen Masse sieht er Formen, Gestalten
und holt aus dem Stein die Wesen hervor
, die darin schlummern. Moeller, der junge
Hüne, packt mit kräftigen Fäusten selbst zu. Er
ist wieder der Bildhauer im wahren Sinne. Mit
Meißel und Hammer behaut er selbst den Stein
und arbeitet frei aus dem Block einzelne Gestalten
und Köpfe. Er modelliert, aber er ist
nie der Nachformer oder Umbildner der Natur.
Er empfindet durchaus plastisch und gestaltet
sinnenfällig mit einem ursprünglichen Gefühl
für die architektonische Erscheinung seine plastischen
Gedanken. Er stellt nicht vor, sondern er
Die Kunst für Alle. XXXV. 19 20. Ju'i 1920
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