http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0406
HANS BAYERLEIN-MÜNCHEN
FASCHING
als absoluteste Malerei erweist, sozusagen inhaltslos
ist oder das stoffliche Interesse bewußt
ausschaltet. Das, gelegentlich der hier abgebildeten
Aquarelle des Münchner Malers Hans
Bayerlein ausgesprochen, soll andeuten, daß
man sich bei Hans Bayerleins Arbeiten zunächst
von dem stofflichen Zauber wird gefangennehmen
lassen, und daß dies ein ganz natürlicher
Vorgang ist. Es spricht nicht gegen die
Bilder, denn es ist nicht eine unbeabsichtigte
Wirkung, sondern liegt durchaus auf der Linie
dessen, was dem Künstler zu Sinne stand. Diese
fünf Aquarelle muten an wie die ins Dekorative
übersetzten Illustrationen zu einer Geschichte,
die sich Bayerlein selbst erfand. Der zyklische
Charakter der Arbeiten ist unschwer zu empfinden
. Es sind Momente aus dem Leben einer
Weltdame der galanten Zeit. Der amöne Zauber
eines zeitgenössisch umgewerteten Rokoko zittert
über den anmutigen Blättern. Da läßt sich
die Schöne von kräftigen Ruderknechten über
den parkumsäumten See fahren und macht aus
diesem Wasservergnügen eine zeremoniöse Aktion
. Oder sie zieht mit zwei Kavalieren ins
grüne Lustgeheg des Wildparkes; zu Füßen
eines Venustempelchens schmaust und kokettiert
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