http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0407
HANS BAYERLEIN-MÜNCHEN
FASCHING
man. Dann wieder ist es Karneval, und man
dreht sich, in wechselnden Kostümen, versteht
sich, bald mit Pierrot, bald mit Harlekin. Und
auch zu den Geheimnissen des Bades am baumbeschatteten
Ufer lädt der Künstler und gebraucht
in dem Gegenüber der nackten und
der bekleideten Frauengestalt ein allzeit wirkungsvolles
Motiv. Soweit das Stoffliche. Indessen
erschöpft sich darin das Wesen der Arbeiten
nicht. Über es hinaus hatte man vor den
zierreichen Bildern, die man auf der Münchner
Kunstausstellung des Jahres igig vereinigt sah,
den Eindruck, daß sie von starkem Stilgefühl
getragen sind, und daß es diesem Gefühl nicht
an Ausdrucksmitteln gebricht. In Komposition
und Farbgebung sind die Absichten des Künstlers
ganz klar zum Ausdruck gekommen, und
was man besonders bemerkt, ist der Elan, mit
dem illustrative (d. h. intime) und großzügigdekorative
Elemente zu einer höheren Einheit
zusammengefaßt sind. Auf diesem Wege und
nach dieser Richtung hin muß es für die leichte
Malerei überhaupt und für Bayerlein im besonderen
noch starke Möglichkeiten der Auswirkung
und Entwicklung geben.
W.
355
48«
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0407