http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0411
LOUIS KOLITZ
INVALIDENHOSPITAL, PARIS
LOUIS KOLITZ
ZUR AUSSTELLUNG SEINES NACHLASSES IN DER
GALERIE HEINEMANN, MÜNCHEN
Der Name Louis Kolitz ist nur einmal und nur für
ganz kurze Zeit, einige Monate vor dem Ausbruch
des Krieges, dem damals auf veränderte
künstlerische Bev/ertungen noch eifrig horchenden
Publikum zugerufen worden. Damals erwarb
die Berliner Nationalgalerie eine sonnenerfüllte
Impression von verblüffender Virtuosität und
Keckheit der Malerei, „Hof desTuilerienpalastes",
187g datiert und Monet unbedenklich zuzuschreiben
, aber durch die Unterschrift der deutschen
Kunst als ein Meisterwerk von entwicklungsgeschichtlicher
Bedeutung gesichert. Esistbezeich-
nendfürd;.e oberflächlichen Gewohnheiten, die bei
der kunstkritischen Betrachtung unserer deutschen
Kunstwerke des vergangenen Jahrhunderts
vorherrschen, daß eine Wahrnehmung, die bei
dem Erscheinen eines neuentdeckten französischen
Bildes in der genannten Sammlung zweifellos
begeisterte Zustimmungen allenthalben gefunden
haben würde, vor der deutschen Arbeit
nur ein an Enttäuschung grenzendes Erstaunen
auslöste, und man sich sogleich bemüßigt fühlte,
daran zu erinnern, daß dieser Akademiedirektor
Louis Kolitz in Kassel doch recht mäßige
Schlachtenbilder und sehr flaue Bildnisse gemalt
habe. Die Hinweise auf seine Tätigkeit, die
Muther und Meier-Graefe, Gurlitt und Hamann
unbekannt geblieben war, verschwanden möglichst
rasch wieder in der Versenkung.
Hierauf mußte ausführlich gewiesen werden,
weil es symptomatisch ist. Kein anderes deutsches
Museum ist dem Beispiel der Nationalgalerie
gefolgt, trotz mehrfacher Anregungen
der Erben des kurz nach jenem Ankauf verstorbenen
Meisters. Daß sie sich nunmehr entschlossen
haben, aus dem sehr geschickt gesich-
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