http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0419
LOUIS KOLITZ
MÄDCHEN IM KIMONO (1884)
digen Valeurs orientierter, auf modernstes Empfinden
eingestellter Pieter Brueghel aussieht. Nur
in Einzelheiten sind da noch Erinnerungen an
Düsseldorf, überhaupt an deutsche Kunst erkennbar
, und zum Vergleiche mit diesem ebenfalls
in seiner Malerei trotz dem bräunlichen
Leimfarbengrundton vollkommenen, koloristisch
kraftvoll abgewogenen Gemälde und seinen beiden
Nachfolgern auf der Ausstellung, dem „Konzert
in der Au" und der dem Tuilerienhofe sehr
nahestehenden „Hohenzollernstraße in Kassel"
(beide aus den neunziger Jahren) wäre keinesfalls
Menzel, vielleicht aber der um 18S0 ebenfalls
in Monetscher Transparenz bewegte, immerhin
stärker lyrisch disponierte HansThoma zu nennen.
Es ist kaum zu glauben, daß diese Werke
alle im stillen Atelier entstanden sind und daß,
bezeichnend für unsere tiefbeschämenden damaligen
offiziellen Zustände, ihr Schöpfer gleichzeitig
nur als Direktor der Kasseler Akademie,
wohin er 1879 berufen worden war und als
Maler konventioneller Porträts Erwähnung fand.
Der Landschafter, der in der Ausstellung
nicht ganz zu seinem Recht gekommen ist, hat
gelegentliche Beachtung gefunden. Von dem
goldbraunen Ton Achenbachs wendet sich Kolitz
nach und nach einem herberen, manchmal in
freier Erinnerung an Böcklin romantisch verdüsterten
, später wieder helleren, auf sandiges
Gelb und lichtes Silbergrau gestimmten Kolo-
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