Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 369
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PAUL MERSE VON SZINYEI (1845—1920)

Der großen ungarischen Künstlergeneration,
deren Säulen Munkäcsy, Paäl, Szekely und
Zichy waren, hat der Tod nun auch das letzte
Glied: Paul Merse von Szinyei entrissen. In
seinem letzten Lebensjahrzehnt hat auch ihn
endlich die Wärme der Anerkennung umflossen,
die Unverstand und Gleichgültigkeit ihm lange
Dezennien hindurch vorenthalten hatten. Seine
mimosenhaft zarte Empfindlichkeit ließ ihn die
Nadelstiche der feindseligen Umwelt tief fühlen,
und so entzog er sich dem Kampf und suchte
die Einsamkeit, seinen Gutsbesitz auf, den er
bewirtschaftete. Dies bedeutet für die Kunst
den Verlust einer dreiundzwanzigjährigen Tätigkeit
. Als sich endlich das allgemeine Interesse
ihm zuwendete, entfaltete sich seine Begabung
wieder mit einem Schlage, und Szinyei stellte
sich an die Spitze der modernen künstlerischen
Bewegungen in Ungarn, von der Jugend mit
flammender Verehrung umringt. Sein Geschick
war ein eigenartig ungarisches, voll überraschender
Wendungen, in denen aber München stets
eine entscheidende Rolle spielte. Unsichtbare
und starke Fäden knüpften ihn denn auch an
die Isarstadt, die kaum einen dankbareren Adoptivsohn
besessen hat als ihn. Deutschland muß
wissen, wen es in Szinyei verloren, denn er
war ein typischer Deutschenfreund und hat

Die Reproduktionen dieses Aufsatzes erfolgen mit freundlicher
Genehmigung des Verlages Könyves Kälmän A.-G.,
Budapest.

während des ganzen Weltkrieges mit seinen
deutschen Freunden gefühlt, gejauchzt und getrauert
. Der Zusammenbruch, die ungarische
Revolution schändlichen Angedenkens, der wir
den Bolschewismus mit all seinen Greueln verdankten
, erschütterte mit einem Male seine Gesundheit
. Er konnte den Fall seiner Ideale,
die Beschmutzung von allem und jedem, wofür
er sein langes Leben hindurch schwärmte, nicht
verwinden. Wie alle wahrhaft ungarischen
Männer bewahrte er bis zum letzten Atemzuge
treu die Hochschätzung der deutschen Kultur
im Herzen, in der seine eigene Bildung ihre
Wurzeln hatte. Die Quelle dieser Bildung war
München, von dort trat er seinen künstlerischen
Entwicklungsgang an, von dort kam ihm
das erste aufmunternde Wort, der erste Erfolg.

Als in seinen Gymnasiastenjahren sein Zeichentalent
auffiel, eilte ihm der Vater, Obergespan
des Komitates Säros, mit dem hohen
Kultursinn des alten Adels sofort zu Hilfe und
ließ ihn, 1864, nach München an die Kunstakademie
gehen. Hier absolvierte er den akademischen
Kurs vom toten Gipsmodell bis zum
lebenden Akt, doch fühlte er sich immer mächtiger
und leidenschaftlicher zur Landschaft hingezogen
. Als er 1866 auf Grund seiner Komposition
„Faust" in der Piloty-Schule Aufnahme
fand, war es der Meister selbst, der seine tief
wurzelnde Neigung zur Landschaft vollends gelten
ließ. So konnte Szinyei nebst den obligaten

Die Kunst für Alle. XXXV. 21/22. August 1920

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