Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 380
(PDF, 126 MB)
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ADOLF UZARSKI

Große Kunstausstellung Düsseldorf IQ20

STIERKAMPF II

herein kann keine Entwicklung vorausgesagt
werden. Ein Irrtum ist um so leichter möglich,
als gerade äußerliche Geschicklichkeit zu Überschätzungen
geführt hat. Die mittlere Linie sieht
immer darin das Wesentliche. Die Persönlichkeit
eines Künstlers ist für viele damit gegeben
, daß seine Handschrift so in die Augen
fällt, daß sich aus der Technik sofort erkennen
läßt, „hier haben wir einen X oder Y". Und befriedigt
ob dieser Kenntnis reiht sich der betreffende
Beschauer in die Kreise der Eingeweihten
ein.

Nicht anders auch beim neuen Stil. Wenn
wir ihn vom Standpunkt der angewandten
Kunst betrachten, könnte man sich ehrlich freuen.
Unbewußt drängt vieles dazu. Viele Elemente
weisen aufs Gewerbe: die Fläche, das Ornament.
Drängen wir also den Gestaltungswillen in jene
Bahnen und lenken wir ihn vom transzendental
Geistigen ab, das nur den Auserwählten in der
sogenannten „hohen" Kunst überlassen bleiben
soll. Dann ist die ganze Organisationsbewegung
wertvoll, weil sie imstande ist, ein der Allgemeinheit
entfremdetes Gebiet dem Volke zugänglich
zu machen. Dieser soziale Hintergedanke
ist bei den Übertreibungen Pate gestanden
, die Reaktion auf die Anschauung l'art pour
l'art. Dieser Standpunkt mag entwicklungsgeschichtlich
überwunden sein, weil unsere Zeit
wieder das Gefühl aufbringt, daß Kunst nicht
außerhalb des Lebens zu stehen hat. Aber man
kann den Schaffenden nicht gewaltsam aus seiner
Einsamkeit reißen, weil sein Wesen der Vergesellschaftung
abhold ist. Das Geheimnis des
Werdens läßt sich nicht mit Rationalismus ergründen
. Es ist gut, noch Mysterien zu besitzen.
Es drängt, wenn man den Pulsschlag der Zeit
zu hören versteht, alles zum Übersinnlichen und
Symbol. Das ist auch der Grund, warum gewisse
Heißsporne den Impressionismus schon jetzt
mit einer leichten Handbewegung abtun; sie
sehen in ihm nur die gelungene Lösung optischer
Probleme, den Ausdruck gewisser Wissenschaftlichkeit
. Vermissen das stilistische Moment,
weil die formale Gestaltung nicht sein Programm.
Bei objektiver Wertung werden wir auch darin
nur den Extrakt des Zeitgeistes sehen. Unserer
ist wohl anders. Aber die logische Entwicklung
hat mit einer plötzlichen Welterschütterung
nichts zu tun. Schon vorher gab es Expressionismus
. Die Großen ahnten voraus und dachten
nicht daran, Zeitgeist zu malen. Die Nachläufer
wollen diesen aber „machen''. Dieser Irrtum
ist um so bedenklicher, weil die frühere
Minderheit jetzt breit im Sattel sitzt. Und sie
fällt in denselben Fehler, in den alles gerät, was

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