Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 386
(PDF, 126 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0444
ziehen, die schon an die Gegenwart den historischen
Maßstab anlegen, und indirekt dadurch
die Werke nicht ausreifen lassen, weil alles
schon überholt erscheint und nur im neuen
eine Sensation zu erwarten ist. Alles dies
widerspricht dem inneren Wesen des Expressionismus
und kann einer Entwicklung des
Stils nicht förderlich sein, weil er abhängig
vom Werden künstlerischer Persönlichkeit ist.
Die größte Freiheit, die er dem Individuum
gewährleistet, kommt der Gesamtheit zugute,
deren Ausdruck endlich als Stil erscheint. Durch
literarisches Ästhetentum wird er nicht geboren
und gefördert. Auch nicht durch Manifeste
der Schaffenden. Banal, den Satz zu zitieren:
„Bilde Künstler, rede nicht." Das Werk soll
und wird von selber sprechen. Und auch der

Stil wird werden, wenn ihm die äußeren Entwicklungsmöglichkeiten
gegeben sind. In dieser
Richtung müssen Wege geebnet werden, Widerstände
unkünstlerischer Natur bekämpft werden
. Trotz aller scheinbaren Diktatur gewisser
Kreise ist das Banausentum so mächtig wie
zuvor. Denn der Kampf wurde bisher mehr
gegen die eigenen Reihen getragen, wie es
kurzsichtiger Politik entspricht. So wie der
ernste tiefe Gedanke des Sozialismus durch
eine ungeschickte Inszenierung kompromittiert
wird und die Gefahr besteht, daß er dadurch
abwirtschaftet, so muß es sein, wenn die Hände,
die Geschicke der Kunst zu leiten glauben,
das Kind mit dem Bade ausgießen. Es gibt
nur gute, aber keine neue Kunst und dieser
müssen wir, gleichviel in welchem Fahrwasser

A. IBING

ÄPFEL MIT KRUG

Große Kunstausstellung Düsseldorf 1020

386


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