Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 405
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RICHARD PIETZSCH

Münchner Glas/alast IQ20. Secessiou

BEI BRUYERES

DER MÜNCHNER GLASPALAST 1920

Je mehr Glaspalast-Ausstellungen man erlebt
— sei es in München, sei es anderswo, denn
Glaspaläste im Sinne des Begriffes gibt es überall
—, desto mehr kommt einem zum Bewußtsein
, daß unser Kunstausstellungswesen einer
gründlichen Reorganisation bedarf. Diese Riesenaufstapelungen
von Bildern, Plastiken, graphischen
Arbeiten, von Kunstgewerbedingen und
Architekturplänen widerspricht dem Geiste unserer
Zeit. Vielleicht ist es nicht mehr und nicht
weniger als eine Nervenangelegenheit, daß wir
dieser Quantität gegenüber versagen. Schätzenswert
sind auf alle Fälle nur solche Kunstausstellungen
, die als Ganzes auf einem Rundgang
überschaut werden können, deren Grundidee
klar und übersichtlich in die Erscheinung tritt,
die nicht in eine Vielheit zerflattern, die nicht
zu viel sagen wollen und deshalb letzten Endes
gar nichts sagen. Warum waren einst die Winterausstellungen
der Münchner Secession so
packend und eindrucksvoll ? Weil sie sich im
Umfang zu bescheiden wußten und weil ein
bestimmter, klar ausgedrückter Grundgedanke
veranschaulicht wurde, weil jeweils eine einzelne
Persönlichkeit die Ausstellung bestritt
oder höchstens zwei oder drei, die gut aufeinander
abgestimmt waren. Was macht den Reiz
retrospektiver Ausstellungen aus, die einer landsmannschaftlichen
Künstlergruppe oder einer
zeitlich präzis begrenzten Epoche gewidmet
sind ? Die Zeit der Riesenausstellungen ist vorbei
, und man muß daran denken, wie man
Besseres, unserem Empfinden Eingängigeres
an ihre Stelle setzt.

Die Frage nach der Qualität der Gesamtleistung
einer Ausstellung wie des Münchner
Glaspalalasts von 1920 kann man füglich unterlassen
. Es ist selbstverständlich, daß sehr Gutes
und Tüchtiges neben ganz Schwachem und
Mittelmäßigem steht, und man tut denen, .die
Gutes brachten, unrecht, wenn man die Ausstellung
als Ganzes mißraten nennt. Wohl aber
läßt sich behaupten, daß der Ausstellung niemand
recht froh wird, auch die Aussteller nicht.
Die Grundrißlösung und die Innenarchitektur des
Glaspalasts sind wenig glücklich, das weiß man
natürlich längst, und sieht auch nicht recht ein,
wie dem abzuhelfen wäre, aber je öfter man

Die Kunst für Alle. XXXV. 23/24. September 1920

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