Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 412
(PDF, 126 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0472
hauptsächlich Glasmalereien schuf und mit dem
Nebeneinander kräftigster Farben rechnete,
verspürt man auch vor seinen Bildern, die einen
Mann von Können, wenn auch in seiner Entwicklung
noch nicht ans Ziel gelangt, verraten.
Es ist ein weiter Weg, den er gegangen sein
muß, von dem altmeisterlich gemalten, aus der
Versenkung in Dürers Geistes- und Formenwelt
gewonnenen Bild des „Ersten Menschenpaares
" zu dem ganz locker und aufgelöst gestalteten
, an Greco und an manche seiner
modernsten Anhänger gemahnenden Entwurf
zu einem „Jüngsten Gericht" oder zu den
malerisch pikanten Varianten des Leda-Themas.
Ein Maler anderer Art, gewandt, mondän, etwa
in die Kerbe F. A. Kaulbachs hauend, aber
malerisch frischer und kecker, ist der Deutsch-
Amerikaner Wilhelm Funk, dessen Porträte
schöner Frauen und bedeutender Männer doch
mehr als nur zu blenden wissen (Abb. S. 406).

Das Kabinett, das man dem Nachlaß des verstorbenen
Alexander v. Wagner einräumte, ist
zu überfüllt, ein Bild schlägt das andere; auch
hätte man das reiche Bild-, Studien- und Skizzenmaterial
besser sichten, feiner auswählen sollen.
So hängt leider manches Weniggebende neben
ganz Prachtvollem. Ein Stück Malerei wie der
Hohenaschauer Schloßhof oder die eine der
Pußta-Stimmungen mit dem müden, dunstgesättigten
, graublauen Abendhimmel und dem
ruhig hinschreitenden Sechsgespann der weißen
Ochsen, auch das Bildchen mit den im Tauwerk
hängenden und kletternden tropischen Seeleuten
— das ist wahre koloristische Delikatesse
, ein Andenken an Münchens beste malerische
Zeit. Franz Multerer gehörte einer wesentlich
späteren Zeit an, ihn reizte die schillernde
Pracht der Barock- und Empireräume in Münchens
Schlössern und er unternahm es, sie in
Bildern einzufangen, die freilich nicht alle gleich
gut gerieten; nicht immer ist das Auseinanderstrebende
eines bunten Raumes in diesen sehr
hell und farbig gemalten Bildern zu einer kristallischen
Einheit geworden. Ernst Burmester,
dessen die Sezession in einer kleinen Nachlaß-
Ausstellung gedenkt, ist seit ig 17 im Feld verschollen
. Er malte sonnig und einem gewissen
Kultus der Natur und der Schönheit des Menschenkörpers
hingegeben. Daß man gelegentlich
manchen Bildes, das er schuf, an Marees
denkt, liegt nahe: auch er stellte die Menschen
gern in seliger Nacktheit, rein um ihres
Daseins willen, ohne ihnen irgendwelche Funktion
des Erzählens, Berichtens, Bedeutens zuzudenken
, in Gottes grüne Welt hinein und sein
Künstlerauge blickte schwärmerisch auf die
Erscheinung, die sein sicherer Pinsel dem Betrachter
restlos vermittelte. Albert Muschweck,

der in Straßburg starb, war ein Plastiker der
älteren Schule, der mehr naturalistisch und
malerisch als dem Material entsprechend stilistisch
, kompreß, geschlossen schuf. Es ist manches
Liebenswürdige unter seinen Arbeiten,
doch tragen sie nicht weiter, scheinen nicht
berufen, ihren Schöpfer lange zu überdauern.

Das also wären die Kollektiv-Ausstellungen,
und eigentlich könnte man es bei ihrer Besprechung
bewenden lassen, denn nur ganz wenig,
was man sonst im Glaspalast zu sehen bekommt,
kann Anspruch erheben, daß es geschlossene,
fertige Eindrücke zu erwecken vermag.

Am meisten hat man von der Plastik, die in
München gute Pflege erfährt. Namentlich im
Nachwuchs der Secession stehen verheißungsvolle
Kräfte. In der Abteilung der Künstlergenossenschaft
fesseln die vier in Lindenholz
geschnitzten Evangelistenfiguren, eine treffliche
Leistung des Nürnbergers Max Heilmaier (Abb.
S. 413); man glaubt ganz von ferne die Zusammenhänge
mit fränkischer Spätgotik zu verspüren
und findet sich doch einer ganz selbständigen
Leistung gegenüber, die namentlich
in Hinblick auf Materialauswertung Ausgezeichnetes
gibt. Hermann Hahn dominiert bei der
Secession, weniger in Person als durch seine
Schule, aus der seit Jahren der Bildhauer-
Nachwuchs Münchens hauptsächlich gespeist
wird. Eugen Mayer-Fassold nenne ich hier in
erster Linie: namentlich wenn er sich in den
Formaten bescheidet, ist alles Gute von ihm zu
erwarten. Albert Holl scheint sich zu einem
Porträtplastiker von Klasse zu entwickeln.
Schwegerle und Jäckle, der diesmal eine die
Psyche des Porträtierten fein erfassende Büste
des Radierers Herrmann zeigt (Abb. S. 411),
so kontrastreich diese beiden Bildhauer sind,
streben auf verschiedenem Wege doch dem gleichen
Ziel zu: einer Konzentration der Form
unter strengster Wahrung des Materialcharakters
. Geibel (Abb. S. 410) verfolgt konsequent
seinen Weg, während der Hannoveraner Ludwig
Vierthaler immer lockerer und grotesker
wird, dabei freilich auch äußerst amüsante Wirkungen
namentlich in der Bewegung seiner
Gestalten erzielt (Abb. S. 418).

Ein gut Teil des malerisch Wichtigen ist in
dem sogenannten Monumentalsaal der Secession
und in dem dahintergelegenen Oktogon vereinigt
. Man war bedacht, gerade diesen beiden
wichtigen Sälen ein möglichst repräsentatives
Aussehen zu geben. Ganz leicht fiel es nicht,
denn eine Reihe von Künstlern, die sich sonst
regelmäßig einzufinden pflegen, blieb diesmal
aus, und auch von neuen Kräften, die sich zudrängten
, kam nur wenig, das überzeugen kann.
Man stellt etwa die Begabung Josef Plenks, der


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0472