Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 41. Band.1920
Seite: 424
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mehr etwas Unausgesprochenes hier zu sagen
übrig, obwohl Kellers Leben und Schaffen so reich
und bunt an inneren und äußeren Erlebnissen und
an Fülle der Gesichte ist. Erschließen sich einst
die sorgfältig geführten und noch sorgfältiger gehüteten
Tagebücher Albert Kellers, die den Weg
des Adepten von der Rechtswissenschaft zur
Kunst, die seine Eindrücke und Erfahrungen im
Reiche der Kunst und der Gesellschaft, seine Bekenntnisse
zur Frauenschönheit wie seine Streifereien
in den Bezirken des Übersinnlichen, Visionären
, seine Ausbrüche über musikalische Eindrücke
und noch vieles, vieles andere zum Gegenstand
haben, so wird vielleicht nochmals auf das
Biographische Albert Kellers zurückzukommen
sein. Heute mögen hier statt alles anderen einige
Worte über persönliche Wesenszüge Platz haben,
die im Rahmen einer feinsinnigen Charakterisierung
Hugo von Habermann dem Freund,
der fünf Jahrzehnte lang den gleichen Weg
ging, in die Gruft nachrief: „Keller ist der
letzte, von dessen Bildern einem in den Sinn
kommen könnte, zu sagen : sie röchen nach
der Lampe, und doch war gerade bei ihm jener

Wir verweisen auf unsere Aufsätze über Albert von Keller
in Jahrgang 1896/97, 1904/05, 1907/08 1913/14 und die vielen
Einzelabbildungen.

eiserne, unermüdliche Fleiß anzutreffen, der ihn
jahraus, jahrein, Tag für Tag und Stunde für
Stunde an die Staffelei bannte. Da gab es keine
Ermüdung, kein Feiern, keine Erholung, sie
kamen am späten Abende, sie dehnten sich bis
in die Dämmerung des Morgens, denn sie gehörten
Kellers zweiter Muse — der Musik. Der
merkwürdige Mann mit dem gemessenen Äußern
des Weltmannes und der glühenden Seele des
Künstlers, sprunghaft wegen der Kompliziertheit
seines Wesens, gegen Fernstehende oft kühl
und undurchdringlich, verband mit der Schärfe
des Verstandes das Innenleben eines Träumers,
mit der Universalität seiner Bildung den Hang
zu mystischer Versenkung, mit hypersensibler
Empfindlichkeit gegenüber der Schönheit seiner
Umgebung die Gabe, die Freuden des Lebens
als kritischer Ästhet zu genießen und zu sub-
limieren und gleichzeitig den Schmerz über herbe
Schicksalsschläge hinter der Maske des Lebemannes
zu verbeißen. Eine Fähigkeit war es
vor allem, die ihm ein gütiges Geschick in die
Wiege gelegt hatte : den stählernen und unbeugsamen
Willen, alles einem Ziele unterzuordnen
und unbeirrt von Freud und Leid im Menschendasein
nur dem Einen zu leben — der Betätigung
seines künstlerischen Schaffensdranges."

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