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FRANZ MARC
Sommeransstellung der Künstlervereinigung Dresden ig20
AKTE IM FREIEN
dieser in seinem „Sommer" die freundliche Erscheinung
erzgebirgischer Bauernhäuser im goldigen
Sonnenschein. Die ältere, natürliche Auffassung
im impressionistischen Sinne vertreten
würdig Eugen Brachts „Schmugglerpfad" und
Wilhelm Merseburgs „Treidelweg", während
Oskar Kokoschka seine Landschaft mit Fluß,
Brücke und Stadt zu einem Dreiklang leuchtender
Farben blau, grün und rot steigert, wie
auch Alexander Gerbig in seinem „Heimkehrenden
Schnitter" — allerdings in entschiedener
Herausarbeitung der Formen der Farbenfreude
huldigt. In düsterer Auffassung zeigt uns Otto
Meister eine „Kahnfahrt" in gebirgigem Gelände,
Ernst Richard Dietze weitere Erinnerungen an
seinen Aufenthalt bei dem farbenfrohen Volke
Mazedoniens: „Tanz und Markt in Prizren."
Bildnis und Genrebild vereinigt Paul Oberhoff,
sehr glücklich in den anmutigen Bildern „Mutter
mit ihrem Kinde spielend" und „Ingeborg",
wobei die frohe Farbe die Wesensschilderung
hebt, wie auch Max Feldbauer in bekannter
Weise seine weichen Farbenharmonien mannigfaltig
verwendet. Nennen wir wenigstens noch,
da der Raum nicht mehr gestattet, Fritz Winklers
treffliches Pferdebild, Rudolf Schefflers soziale
Phantasie „Der Prediger in der Wüste",
Georg Gelbkes erregte Vision „Muttersehnsucht"
und Josef Hegenbarths farbig reizvolle Studien
2U Figurenbildern.
Die Münchener ergänzen die Ausstellung in
ansehnlicher Weise. Da sind die zahlreichen
Stilleben Alexander Kanoldts mit ihrer kräftig
betonten Gegenständlichkeit, an denen der Künstler
in immer neuen Zusammenstellungen Farbentheorien
erprobt, sowie seine herb vereinfachten,
linienhaft bestimmten Straßenansichten, da sind
Adolf Erbslöhs scharf umrissene Landschaften
mit Bäumen, deren Einzelheiten nur durch Unterschiede
in der Helligkeit der grünen Farbe
angedeutet sind. Seine Palette umfaßt fast nur
grün und blau. Meisterhaft ist der nur in diesen
Tönen gehaltene große Akt eines zusammengesunken
sitzenden Mädchens. Edwin
Scharffs Engelbild erstrahlt in voller lichter
Schönheit, ein Mann mit zwei Pferden ist meisterlich
grau in grau gemalt. Jawlenskys weibliche
Bildnisse gehen ganz in elegant verfeinerter
Farbe auf. Von Albert Weisgerber sehen wir
u. a. in mächtiger Ausdruckskraft zweimal den
klagenden Jeremias und einen nicht minder bedeutenden
Sebastian im Walde an einen Baum
gefesselt, umgeben von seinen Henkern mit
ihren Hunden.
Ein ganzes Malerleben tut sich in Franz Marcs
30 Gemälden auf. Mit köstlichen Frauengestalten
und Akten im Freien sowie Tieren, die die
natürlichen Formen mit schärfster Beobachtung
getreu wiedergeben, fängt er an. Dann wendet
er sich in Farben und Formen mehr und mehr
Die Kur,st für A le XXXV.
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