http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_41_1920/0494
AUGUST SCHREIT MÜLLER WEI
Sommerausstellung der Kihistlerveteiuigung Dresden
schließlich in der Hauptsache einer Kunstrichtung
angehörte, deren Entwicklungslinie abgelaufen
war, ein geschlossenes Ausstellungsganze
von starker Eindruckskraft zu erzielen.
Es war eigentlich nur ein letztes schönes Abendrot
einer abgelaufenen Kunstepoche, das über
der Düsseldorfer Abteilung dieser beiden Ausstellungen
lag. Die rheinische Jugend aber stand
abseits.
Wer die Kunst der rheinischen Jugend kennenlernen
wollte, der mußte, wie schon zur Zeit des
Sonderbundes, nach Köln
gehen, wo in den allerdings
beschränkten Räumen des
Kunstvereins auf Anregung
des Düsseldorfer Direktorial-
Assistenten und begeisterten
Anhängers der modernen
Kunst Dr. Walter Cohen eine
Ausstellung stattfand, die
einen, wenn auch kurz zusammengedrängten
Uberblick
über das Schaffen der jungen
rheinischen Kunst gab. Düsseldorf
hielt sich abseits und
erst die diesjährige Kunstausstellung
läßt die Hoffnung
wach werden, daß die offizielle
rheinische Kunststadt, und die
bleibt nun einmal doch Düsseldorf
, sich auf ihre führende
Stellung wieder besonnen hat
und lange Versäumtes nachzuholen
gewillt ist. Man mag
zu den modernen Kunstrichtungen
stehen wie man will
und — ebensowenig wie im
folgenden eine namentliche
Aufführung von Künstlern beabsichtigt
ist, soll auch ein
Werturteil über die neue Kunst
des Expressionismus im Verhältnis
zu der vorhergegangenen
naturalistisch-impressionistischen
Epoche gefällt werden
— wie gesagt, die Stellungnahme
der einzelnen zum
Expressionismus bleibe völlig
außer Diskussion. Festgestellt
sei nur, daß die neuen Kunstrichtungen
entwickelungsge-
schichtliche Erscheinungen
sind und als solche hingenommen
werden müssen und
aus dieser Tatsache ergibt
sich auch die Konsequenz, daß
die großen Kunstmetropolen
oder solche, die es sein wollen,
die Pflicht haben, den neuen Entwicklnngsrich-
tungen Platz und Gelegenheit zu geben, ihre
charakteristischen Werke auszustellen.
Damit ist natürlich nicht gesagt, daß in der
Düsseldorf or Ausstellung nun gleich die Meisterleistungen
der jungen Kunst serienweise auf-
maschieren. Es sei vielmehr offen zugestanden,
daß sehr vieles zu sehen ist — und sogar an
exponierter Stelle — was vielleicht besser weggeblieben
wäre. An geschlossener Wirkung erreicht
die Ausstellung ihre beiden Vorgängerinen
BLICHER KOPF
igzo
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