Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 20
(PDF, 108 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0036
mögen, sie haben das eine gemeinsam: die
Naturerscheinung ist ihnen nichts als ein Mittel,
um an ihren mehr oder minder kenntlichen
Fragmenten einen jener Eindrücke anzuknüpfen,
die keine bestimmte Form besitzen, sondern
deren Leben sich eigentlich in der flüssigen
Form des Geistigen vollzieht. Für diese das
Symbol eines sinnlichen Ausdrucks zu finden,
das ist das Streben, dem die neue Zeit mehr
oder minder bewußt nachgeht. Ihre Temata
sind nicht die Erscheinungen eines Stückes
Umwelt oder gar die Darstellung eines Ereignisses
, sondern eine Eindrucksserie, ein Bewegungskomplex
, ein Empfindungsbündel, ein
Farbenstrudel.

Es ist selbstverständlich, daß eine Künstlerschar
, die sich mehr und mehr der Besonderheit
dieses Zieles bewußt wird, nur noch solche Zielstellung
als wert der Beachtung ansieht. Aber
auch, wenn man das als außenstehender Beschauer
nicht mit zu tun vermag, sondern immer
klarer zu erkennen beginnt, daß es bei wirklich
bedeutenden Künstlererscheinungen verhältnismäßig
gleichgültig ist, welchen Prinzipien sie

nachstreben, so liegt doch auch in dem Prinzip,
in der Richtung des Wollens, die sich hier zeigt,
etwas außerordentlich Bemerkenswertes. Ganz
abgesehen davon, ob uns die Absichten künstlerisch
erreicht scheinen oder nicht, deuten sie
auf einen wichtigen Punkt unserer Entwicklung:
sie deuten auf einen Umschwung in unserer
Blickrichtung, einen Umschwung in unserer
künstlerischen Weltanschauung.

Suchen wir diese Regungen als solchen Kompaß
zu betrachten, so werden die grotesken
Nebenerscheinungen, die sie einstweilen noch
mit sich bringen, verhältnismäßig gleichgültig,
denn, was für uns von Belang ist, bleibt die
Tendenz, die in dem Wollen steckt. Sie ist
deutlich zu erkennen: wir sehen ein Streben
nach dem inneren Ausdruck im Gegensatz zum
äußeren Eindruck, nach dem Menschenhaften
im Gegensatz zum Naturhaften, nach dem, was
aus des Menschen Inneren kommt, im Gegensatz
zu dem, was von außen an den Menschen
kommt. Das Geistig-Abstrakte tritt dem Sinnlich-
Organischen gegenüber.

(Fortsetzung folgt)

KÄTE FILCHNER-MÜNCHEN

TÜLLSTICKEREI

20


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0036