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JOSEF WEISS-PLANEGG
unwirklichen, wie dem Moseltal mit dem intensiven
Phänomen des Blitzes: ein Gefühl von
Abstand und Scheu vor der Natur, dessen Untergrund
nur Religiosität sein kann. Höchste
Achtung vor allen Dingen, die sich in der feinen
Zerfaserung der Formen und der Zierlichkeit
der Umrisse äußert, paart sich mit einer
grenzenlosen Hingebung an die Unendlichkeit
den Inbegriff alles Göttlichen und Allmächtigen
.
Bis zur unmittelbaren Anrufung Gottes erhebt
sich Weiß in den meist 1916, in der Unbequemlichkeit
und Gefahr der russischen Front,
entstandenen Holzschnitten. Apokalyptisch und
verzweifelnd: „Der Krieg frißt die Männer",
technisch noch nicht auf seiner Höhe und daher
ohne die zwingende Dämonie des Aus
drucks und des Räumlichen, das dann das
todestraurige Blatt „Die Mütter" so ergreifend
macht, wie sie aus dem unerschöpflichen Dunkel
(dem Krieg) hervorquellen, ein nicht endender
Zug voller Leides. „Erlöse uns von dem
Übel" gibt schon über der jammervoll unter-
HOLZSCHNITT: ERSCHAFFUNG EVAS
gehenden Menschheit Gott - Vater und Christus
— aber wie in Ohnmacht und Leid gehüllt
, und erst „Post tenebras lux" erhebt über
dem Erdenjammer hoch in strahlende Glorie
die aufgereckte Gestalt des Erlösers, zu dem
die Menschen aufsteigen aus der Nacht des
Grauens. Und vielleicht noch unmittelbarer
wirkt das Symbolische in „Per aspera ad astra":
als Traum eines Mannes, von dem ein Regenbogen
ausgeht und aus der Not der Gegenwart
, deren Horizont voll brennender Städte
und Grabkreuze ist, zur Helligkeit des Friedens
hinüberweist.
Das Wunderbare an diesen Visionen ist, daß
sie gar nicht gedacht wirken, sondern bloß gefühlt
, daß ihre raumhafte Erscheinung mit den
weiten nur angedeuteten Landschaften sinnlich
die empfundene Idee verkörpert. Was bei Max
Klinger nur durch Assoziationen vermittelt
wird, übersetzt sich hier ganz selbstverständlich
in Form: transzendentale Vorstellungen.
Und das gilt in noch höherem Maße von den
tiefsten und bisher reifsten Schöpfungen Josef
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