Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 31
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JOSEF WEI SS-PLAN EGG

losen tut sich auf in verwirrender Fülle und zu
einem Gesamtspiel, dessen Einsatz die ziselierte
Feinheit naher und fernster Einzelheiten
bildet, dessen Ziel in der Uferlosigkeit eines
dämmernden Urzustandes liegt. Die Betonung
der strahlensendenden Mitte durch den aus
aller Größenvergleichung gerückten Gott, umwimmelt
von tausendfältiger Kreatur organischer
und anorganischer Art, ergibt dann von
sich aus das schöpferische Prinzip, auf das
alles bezogen ist, von dem alles Licht und Leben
ausstrahlt: Das Urgeheimnis des Entstehens,
das schöpferische Gären und Zeugen des Geistes
liegt beschlossen in dieser Raumsymbolik.

Wie ihm aber auch das Schlichte der Landschaft
gegeben ist neben der Vision der Allmacht
und Unendlichkeit, so deutet er uns
auch das einfach Menschliche; ja die bizarre

HOLZSCHNITT: DIE SCHÖPFUNG

Ornamentik von Renntieren wird ihm zu einer
Offenbarung des Reichtums der Natur. In der
Ausdeutung des Ornamentalen zum Psychologischen
im Bildnis begegnet er sich mit dem
früheren Kokoschka: so erfaßt er das Bildnis
seiner Mutter mit der tiefen Empfindung von
Dankbarkeit für ihr Dasein und ihre Güte.
Und „Zwei Blinde" geben durch die Verlassenheit
der Landschaft, mit der toten Sonne,
durch die sie umschlungen umhertaumeln, den
Eindruck des hoffnungslosen Verlorenseins im
Raum und damit das Schreckliche ihres Zu-
standes ergreifender, als direkte Darstellung es
erreichte; eine erneute und tiefer gefaßte Lösung
des tragischen Problems, das einst Pieter
Breughel mit so grausamer Deutlichkeit in dem
Meisterwerk seines Altersstiles angerührt hatte.

Dr. Paul F. Schmidt

3i


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