Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 33
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HANS THOMA

HANDGEWEBTER TEPPICH: „GRALSBURG"

TEPPICHWEBEREIEN VON HANS THOMA

Es gibt vielleicht keinen besseren Beweis für
Thomas hohe Künstlerschaft, als den, daß
Thomas künstlerisches Können sich fleißig, beharrlich
und erfolgreich auf allen Gebieten der
bildenden Kunst betätigt hat: Malerei und Graphik
, Gebrauchskunst, Kunstgewerbliches und
Plastik gingen aus seiner Hand hervor. Zu verschiedenen
Zeiten hat er, durch den Wechsel in
den Motiven und in der Technik sich immer wieder
erfrischend und anregend, mit dem einen oder
anderen Gebiet sich besonders eifrig abgegeben.
Mit kunstgewerblichen Themen hat Thoma schon
zu Anfang der neunziger Jahre, als der Jugendrausch
der handwerklichen Erneuerung durch die
Kunst ging, versuchsweise sich beschäftigt. Vielleicht
kommt in diesen frühen Arbeiten das Spielerische
, der Spieltrieb, von dem Thoma selbst
gelegentlich immer wieder spricht, noch am unmittelbarsten
zum Ausdruck. Damals war es ein
Tasten und Suchen nach Ausdruck im Material
(Majolika, Ton, Stickerei und Buchschmuck), wie
es zur Zeit des sogenannten Jugendstiles allenthalben
versucht und durchgeprobt worden ist.

Nach der Umsiedelung von Frankfurt nach
Karlsruhe (1899) haben sich aus diesen Tastversuchen
einige bedeutsame Zweige kunstgewerblichen
Schaffens weiter entwickelt. So entstand
aus der liebhaberischen Beschäftigung mit

Tonarbeiten durch die starke Beteiligung Thomas
an der Großherzogl. Majolikamanufaktur ein
ziemlich ausgedehntes keramisches Werk. Gleichzeitig
schuf Thoma mit seinen Schnitzarbeiten zu
dem in Holz gearbeiteten Innenraum für seinen
Festzeitenzyklus die Grundlagen für eine Neubelebung
der Schwarzwälder Holzschnitzerei.

Durch die freundliche Nachbarschaft seines
Ateliers mit den Arbeitsräumen der Großherzogl.
Kunststickereischule und durch die nahen Beziehungen
zu der hohen Protektorin dieses kunstgewerblichen
Unternehmens, der Großherzogin
Luise von Baden, die die Webeeinrichtungen
aus Schweden mitgebracht hatte, entstanden die
Entwürfe zu den Teppichwebereien, die in der
Stickereischule in verschiedenfarbiger Wolle
ausgeführt wurden. Es ist höchst interessant
zu beobachten, wie Thoma die für die Pariser
Weltausstellung früher schon einmal für Emailmalerei
behandelten Motive der „Elemente" nunmehr
streng stilistisch nach Inhalt und Ausführung
behandelt. War in dem starkfarbigen
Email der Reiz der Erfindung vorwiegend in
der koloristischen Behandlung gelegen, so sehen
wir in den handgewebten Teppichen Thomas
stilisierende Art auf die von der Weberei geforderte
Flächenbehandlung übertragen.

In der „Erde" sind die Tiere und die räum-

Dekoratlve Kunst. XXIII. i. Oktober 1919

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