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A. SCHREIBER Q ELFENBEINBROSCHEN
MIT HALBEDELSTEINEN
IN GOLDFASSUNG
muß gleich betont werden,
daß die Verwendung sich nur
im Kunstgewerbe bemerkbar
macht; die Rolle des Elfenbeins
als bevorzugter Stoff des Bildhauers
für Kleinplastiken ist ja
für die gegenwärtige Zeit wohl
ausgespielt, da seine Glätte dem
modernen, d.h. dem momentanen
Geschmacke nicht mehr
zusagt. Anders liegen ja vergleichsweise
die Dinge in Belgien
, wo selbst ein so herber
Künstler wie Meunier, von Namen
wie van der Steppen u. a.
ganz abgesehen, es nicht verschmähte
, seine Formgedanken
in Elfenbein auszusprechen.
Es ist eine stattliche Reihe
schätzbarer Eigenschaften, die
dem Elfenbein heute wieder die
Beachtung unserer Kunstgewerbe
und vornehmlich unserer
Schmuckkünstler sichert;
dahin gehören vor allem seine
warme, weiche Färbung, die
leichte Transparenz, ferner die
Härte und Dichtigkeit seiner
Materie, sowie besonders die
VERTRIEB: VEREIN. WERKSTÄTTEN
FÜR KUNST IM
HANDWERK A.-G., MÜNCHEN
Fähigkeit, sich leicht schnitzen
und schneiden zu lassen. Schon
früher (Dez.-Heft 1918) waren
an dieser Stelle Elfenbeinarbeiten
des Münchners Alwin
Schreiber im Bilde vorgeführt,
deren Vertrieb die Vereinigten
Werkstätten für Kunst im
Handwerk übernommen haben.
Die neue Reihe von kunstgewerblichen
Arbeiten zeigt das
gleiche verständnisvolle Eingehen
auf die spezifischen Materialschönheiten
. Gegenwärtig
beginnt man beim Schmuck
nicht mehr so sehr die Kostbarkeit
des verwendeten Materials
in den Vordergrund zu
stellen, ihn nicht zur Legitimation
des Reichtums seines Trägers
zu benutzen, sondern als
Gradmesser für die Kulturenergien
, die seinem Besitzer
innehaften. Daher die vorwiegende
Verwendung von Silber
und Halbedelsteinen beim modernen
Schmuck. Dem Elfenbein
sucht nun Schreiber die
frühere bevorzugte Stelle wie-
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