http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0056
der zu verschaffen. Eine einfache, leicht stilisierte
Ranke, ein zierliches Ornament in Durchbruch-
arbeit sind bei vielen seiner Arbeiten die einzige
Zier; das Material wirkt für sich selbst, es ist der
alleinige Träger des Schmuckgedankens, ganz im
Gegensatze zum Beispiel bei dem bekannten französischen
Schmuckkünstler Lalique, bei dem das
Elfenbein zur Verkörperung einer plastischen
Vorstellung dient. Bei anderen Anhängern und
Broschen Schreibers wird der matte warme Ton
des Elfenbeins noch unterstrichen und besonders
hervorgehoben durch einen in der Farbe passend
gewählten Halbedelstein, besonders durch den
grünblauen Türkis, der in seiner Form korrespondierend
zum Umriß des Schmuckes gestaltet
ist. Die Veredelung des Stoffes durch eine
schlichte künstlerische Arbeit verleiht den Gegenständen
eine vornehme und diskrete Wirkung.
Ist es bei den Schmuckstücken die bescheidene
einfache Dekoration mit einem ruhigen,
verhaltenen Ornament, so wirken die kunstgewerblichen
Gebrauchsgegenstände in Elfenbein
durch ihre Eleganz und die Anpassung ihrer
Form an den Gebrauchszweck. Namentlich bei
den freihängenden Klingeldrückern ist es die
Eleganz der Linie, die im Umriß sich ausspricht
, die die Hauptzier des Gerätes neben
dem sparsam verwendeten Ornamente bildet.
In Parenthese übrigens eine Frage: welcher
Kunstgewerbler befreit uns von den schauderhaften
Oliven oder Handgriffen für die Zugleinen
der Vorhänge, die in Porzellan oder
Messing gleich gräßliche Gebilde und Zeugen
einer besonderen künstlerischen Vernachlässigung
sind? Hier könnte ein formbegabter
Kunstgewerbler wie A. Schreiber ein gutes Werk
ALWIN SCHREIBER ELFENBEIN-ANHÄNGER MIT HALBEDELSTEINEN IN GOLDFASSUNG
VERTRIEB: VEREINIGTE WERKSTÄTTEN FÜR KUNST IM HANDWERK A.-G., MÜNCHEN
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