http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0072
ARCH. E. ECKEN STEIN-BASEL
Skala von Farben. Die reich verwendete Malerei
ist rein dekorativ; sie verzichtet auf ins
einzelne gehende Wirkung, sucht sich der
Architektur des Raumes anzuschmiegen und
diese so zu erhöhter Wirkung zu steigern. Die
blattartige und kräftige Ornamentik der Wände
wird angenehm unterbrochen durch eingefügte,
in einfachstem Stil gehaltene Figuren, Frucht-
und Tierstücke. Die Wände werden durch die
in Form einer großen, kreisrunden Öffnung
durchbrochenen Decke mit großen, einfachen
Ornamenten nach oben abgeschlossen. Die
Decke verläuft ihrerseits wieder gegen den
obersten gewölbten Plafond hin in einem, in
zarten Farben gehaltenen Ornament rings um
die Galeriebrüstung des Tee-Raums. Den Zusammenhang
zwischen Unter- und Obergeschoß
vermitteln die violetten Vorhänge. Sie durchziehen
, gleichzeitig oben und unten sichtbar,
den ganzen Raum in senkrechten parallelen
Streifen. Dann vermittelt auch den Zusammenhang
die ebenfalls sichtbare Grundfarbe der
DAS SINGERHAUS IN BASEL: BLICK VOM
HERRENZIMMER IN DAS SPEISEZIMMER
oberen und unteren Wände. Der Cafe-Aufgang
von der Straße her ist in kalten Farben gehalten
, um den farbigen Eindruck des Cafes
recht zur Wirkung zu bringen; ebenso kalt
sind die Farben des Aufgangs vom Cafe zum
Tee-Raum, damit einen um so lebhaftere Farbenakkorde
überraschen, wenn man die Galerie
betritt. Bodenbelag, Möbelstoffe, Wandbespannung
der Kojen vereinigen sich zu einer
ungemein vornehmen wohnlichen Wirkung. Der
Charakter dieses oberen Raumes ist seiner Bestimmung
entsprechend intimer. Er gewährt
reizende Einblicke in das heller gestimmte Cafe
hinunter. Farbige Seidenampeln verbreiten ein
angenehmes, gedämpftes Licht. - Zweifellos liegt
die Bedeutung des großen Raumes nicht nur
in seiner architektonisch hervorragenden Aufteilung
, sondern speziell auch in der Farbenwirkung
, die das Verdienst des Malers Georg
Kauffmann (Basel-Berlin) und seiner Mitarbeiter:
A. Wanner (St. Gallen), Werner Koch (Dornach)
und August Kuoni (Zwingen) ist.
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