http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0077
riesiger Beleuchtungskörper, der die graziöseren
Verhältnisse der Deschauerschen Raumschöpfung
schwer beeinträchtigt, mit in Kauf genommen
werden: könnte sich die Leitung des Instituts
zu seiner Entfernung bequemen, so wäre
damit für die ästhetische Raumwirkung viel
gewonnen.
Die Gobelins selbst, heiter und hell in der
farbigen Haltung, sind friesartig angeordnet; den
Sockel bildet eine lustig bewegte, durch pikante
und zierreiche Schnitzereien aufgelockerte Wandvertäfelung
, in der als Schmuckzentren die beiden
Portale stehen. Vitrinen sind in diese Wandvertäfelung
eingelassen, leuchtende Fassettengläser
blitzen, dahinter eine reiche Fülle schönster Arbeiten
erlesener Kleinkunst. Fast möchte man besorgen
, diese mannigfaltige Auflockerung bringe zu
viel Bewegung in das Raumensemble, aber es ist
keineswegs so. Denn einerseits ist der ruhige,
durchgehends festgehaltene Gesamtton der geräucherten
Eiche so warm, neutral und verbindend
, daß eine unruhige Wirkung ausgeschlossen
ist, andererseits ist die Farbigkeit der
Gobelins so beherrschend, daß von ihr vor allem
das Auge angezogen und festgehalten wird. Es
sind Allegorien, die das Thematische ausmachen,
Versinnbildlichungen des bayerischen Gewerbefleißes
, nicht ohne den leisen stofflichen Einschlag
der Kriegszeit, in der die Entwürfe und
die Gobelins selbst (von der Münchner Gobelinmanufaktur
ausgeführt) entstanden. Aber darauf
kommt es vielleicht weniger an: das nicht stofflich
, sondern künstlerisch-optisch blickende Auge
sieht zunächst die dargestellten Sujets gar nicht,
sondern gleitet wohlig hin über die ganz in
die Fläche hineinkomponierten, echt flächig empfundenen
Erscheinungen, die so weich und zart
in der Farbenstimmung zusammengehen und
im besten Sinn eine füllige Komposition, ohne
Löcher und ohne seicht-dekorative Notbehelfe
darstellen. Hier wo Deschauer einmal aus dem
Vollen schöpfen konnte, hat er gezeigt, daß
er auch originalen Aufgaben gegenüber seinen
Mann stellt. Wolf
58
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0077