http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0095
Wandspiegel mit eingeschliffener Umrahmung erweckt
gleich den Eindruck eines guten Museumstückes
. Nach rechts öffnet sich die Garderobe
in mattlackiertem Holz mit sparsam verteilten
Schnitzmotiven; die Waschnische ist mit alten
holländischen Kacheln ausgelegt. Der anschliessende
Abort erhält Licht und Luft über den
kurzen Verbindungsgang zwischen Küche und
Speisekammer hinweg.
Das beherrschende Motiv der Diele ist die
Treppe mit ihrem in edler Kurve geführten,
reich in Nußbaum geschnitzten Geländer, das
auch als Brüstung um den Vorplatz des oberen
Geschosses herumgeführt ist. Der warme Ton
des Holzes hebt sich kräftig von den einfach
geweißten Wänden ab; antike Möbel, riesige
Schränke mit kühl und satt wirkenden Zinnkrügen
, alte Gobelins und Bilder neuer Schweizer
Schule sind hier vorteilhaft und ohne sich gegenseitig
zu beeinträchtigen untergebracht. Die
Entlüftung, die mit einer Pulsionsheizung im
Zusammenhang steht, geschieht durch ein durchbrochenes
Friesornament unter dem Oberlicht.
Klassisch ruhig wie ein Raum von Schinkel
wirkt daneben das streng nach beiden Achsen
durchgebildete Musikzimmer. Der störende Erker
in der Ecke wurde durch eine Tapetentür
abgetrennt, der andere hier überschüssige Raum
II. STOCK VOR DEM UMBAU
als Estrade erhöht und als flache Nische ausgestaltet
; die beiden Schmalseiten erhielten
durch je ein Paar jonische Säulen ihre besondere
Eindrücklichkeit. Die gliedernden Teile
sind in Weißlack mit Gold gehalten ; die Wände
in hellblauem Seidendamast. Die Rückenpolster
und Matrazzoni der Stühle sind auf Canevas
gestickt, mattrosa mit apart gestimmten Blumenstücken
, die von Stuhl zu Stuhl wechseln. Ein
besonderes Schmuckstück ist der Boden, wie
denn auch Birkenholz wie kaum ein Architekt
die bestimmende Bedeutung desselben für die
Raumästhetik erkannt hat; er ist in Mahagoni mit
Rankenfriesen am Rand und in einem runden
Mittelstück gearbeitet, die in Rosenholz, Ama-
ranth und Palisander ziervoll eingelegt sind.
Einfach und behaglich warm wirkt daneben
das Speisezimmer mit seinem alten Winter-
thurer Ofen in weißblauer Fayence. Die ruhigen
Möbel und die Vertäfelung sind aus Nußbaum
, die Wandbespannung und die Möbelstoffe
sind weinrot.
Um so reicher und eigenartiger erscheint die
Bibliothek mit ihren massiven, schön geschweiften
und reich geschnitzten Möbeln aus dunklem
mattem Nußbaum und ihrem Marmorkamin in
der Plauderecke. Die vollkommene Befreiung
von den historischen Stilen aber zugleich der
II. STOCK NACH DEM UMBAU
III. STOCK
DACHSTOCK
74
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0095