Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 86
(PDF, 108 MB)
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ARCH. P.BIRKENHOLZ-ZÜRICH H., WOHNHAUS IN ZÜRICH: BLICK VOM MUSIKZIMMER INS ESZZIMMER

Gegensatz zur dekorativen Schönheit entgegentritt
oder das, was die vom historischen Empfinden
ausgehenden Enthusiasten wollen, wenn
sie das Gotische preisen und das Antikische
zurückdrängen, alles nur die gleichen Äußerungen
, betrachtet aus verschiedenen Gesichtspunkten
, sind. Aber nicht nur das, wir sehen zugleich,
daß es die gleichen Äußerungen sind, wie diejenigen
, in denen das Bestreben hervortritt, das
wir in der Malerei unserer Tage verfolgen konnten
, das Bestreben, das Geistige zum Inhalt
des künstlerischen Ausdrucks zu machen, statt
des sinnlich Wahrnehmbaren, das künstlerische
Rüstzeug aus dem Abstrakten zu holen, statt
aus dem Organischen und für die Wirkung der
Schöpfung nach Charakter zu streben, statt
nach Form.

Die Richtung, in der wir uns zwischen diesen
Antithesen bewegen, ist in der heutigen
Malerei und der heutigen Architektur ganz die
gleiche, nur kann die Architektur, weil gebunden
an Zweck und dadurch weit gebundener an
Überlieferung, solch eine Tendenz nicht mit der
hemmungslosen Schärfe zum Ausdruck bringen,

wie die leichtbewegliche losgelöste Kunst. Und
das hat zur Folge, daß wir zwar die Tendenz
einer neu auftretenden Bewegung in ihr sehr
viel weniger leicht erkennen, wie in der freien
Kunst, die Tragweite des Einflusses einer solchen
Tendenz aber viel richtiger einzuschätzen
vermögen. Die polaren Strömungen, die sich
in der freien Kunst bis zur äußersten Verzerrung
auseinanderzutreiben lieben, bleiben im
architektonischen Werke weit mehr in jenem
letzten Endes unauflöslichen inneren Zusammenhang
, der daraus hervorgeht, daß sie ja schließlich
im Wesen des dualistisch konstruierten
menschlichen Schöpfers auch zu einer Einheit
verschmelzen.

In Wahrheit ist eben auch jede Kunstäußerung
wie ihr Schöpfer zugleich geistig und
sinnlich, schöpft sie aus dem Abstrakten und
dem Organischen, enthält sie Charakter und
Form, Macht und Schönheit, — es kommt nur
darauf an, von welchen dieser beiden Pole der
Schaffende ausging, um zum anderen zu kommen
. Geht er vom Sinnlich-Organischen aus,
so kann er mehr oder minder weit zum Geistig-

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