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NEUE BÜCHER
Schottmüller, Frida. Bronzestatuetten und
Geräte. (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensammler
, Bd. 12.) Mit 123 Abbildungen im Text.
Berlin, Richard Carl Schmidt & Co.
Auch dieses Bändchen der bekannten Sammlung
erfüllt seinen Zweck, eine ernste knappe historische
Einführung in das große, umfangreiche
Gebiet der Bronzeplastik zu geben, auf das beste,
zumal man wohl annehmen darf, daß durch den
Krieg und seine Begleiterscheinungen der Metallbeschlagnahme
das Interesse für die zweite
Gruppe, das Bronzegerät, erheblich gesteigert
worden ist. Das Hauptgewicht ist auf die geschichtliche
Darstellung gelegt, die von den altorientalischen
Bronzen die Entwicklung bis zum
Ende des 18. Jahrhunderts
heraufführt; die Gestaltung
der einzelnen
Typen im Verlaufe der
Jahrhunderte, ihre Formwandlung
ist besonders
betont. Doch sind einzelne
Denkmälergattungen
, an deren Erwerbung
der Sammler doch
wahrscheinlich nie denken
kann, wie die zahlreichen
Taufbrunnen Norddeutschlands
, die Grab-
mäler und Grabplatten,
Chorpulte u. m. a. weder
in Text noch Abbildung
zum Zuge gekommen.
Bürgt der Name der Verfasserin
schon für eine in
dem enggezogenen Rahmen
hinreichend gründliche
historische Darstellung
des Stoffes, die in
der Charakterisierung des
der Bronze in den einzelnen
großen Stilepochen
Eigentümlichen, durch
Vergleiche und Hinweise
sogar äußerst interessant
gestaltet ist, so ergeben
sich doch vom Standpunkte
des Sammlers, für
den das Bändchen ja in
erster Linie bestimmt ist,
einige Einwendungen. Die
erste und hauptsächlichste
Frage, über die sich
der Anfänger zu orientieren
wünscht, sind die
Preise, die im Durchschnitt
gezahlt werden.
Hier wären auf wenig
Seiten einige Preise der
letzten Zeit für verschiedene
Arten von Statuetten
und Geräten verschiedenen
künstlerischen
Wertes anzugeben, am
besten mit Abbildungen;
denn aus der bloßen Preisangabe
vermag man sich
kein richtiges Bild zu ge-
J. VIERTHALER □ PUTTE MIT KRANZ (BRONZE)
stalten. Auch wäre der feste, unveräußerliche Besitz
großer Museen nicht fast ausschließlich zur
sonst übrigens gut gewählten und reproduzierten
Illustrierung des Textes heranzuziehen, sondern
auch manches Stück Mittelware aufzunehmen
, da sich durch solche Gegenüberstellung
von Qualitäts- und Mittelware der pädagogische
Zweck der Sammlung, ein Verständnis für die
erstere zu erziehen, am leichtesten erreichen läßt.
Dr. w. B.
Die Reichshauptstadt Berlin im Weltkriege
. 30 Steinzeichnungen von Hans Anker.
Berlin, Amsler & Ruthardt.
So vollständig deckt sich ja der Inhalt dieser
Mappe mit dem Titel nicht. Es sind Ansichten
der bedeutenderen Gebäude
und Plätze Berlins
mit einer figürlichen
Staffage, die hin und
wieder das Straßenleben
des Krieges erkennen läßt.
Aber solche Konstatierung
tut dem Werte der
schönen Publikation kei-
nenAbbruch. In den weitaus
meisten der Blätter ist
die Wahl des Ausschnittes
eine sehr geschickte zu
nennen und nur selten
begegnet eine Arbeit, die
einen gewissermaßen leeren
Eindruck hervorbringt
. Überaus reizvoll
ist die Einbeziehung der
atmosphärischen Stimmung
in die Architektur
auf manchen Blättern,
wie dem „Brandenburger
Tor", auf denen sich denn
auch die Handschrift zu
ganz freien und leichten
Linien entfaltet, so daß
diese Blätter in ihrer wirkungsvollen
Beleuchtung
sich dem Besten, was auf
dem Gebiete der Vedutenkunst
geschaffen wurde,
an die Seite stellen können
. Besonders eigenartig
und fein empfunden
wirkt auch die leichte
farbige Tönung der in
den Hauptpartien meist
in Schwarzweiß gehaltenen
Arbeiten an vereinzelten
Stellen, z. B. bei
der Wiedergabe des Himmels
. Es ist eine graziöse
, elegante Kunst in
diesem Mappenwerk, die
alle Möglichkeiten, die in
den oft nicht allzu erfreulichen
— vom rein
architektonischen Standpunkte
gesprochen —
Motiven liegen, künstlerisch
auszumünzen versteht
.
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