Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 112
(PDF, 108 MB)
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ARCH. P. THIMISTER

AUS EINEM WOHNZIMMER

staltungen entwickelt, die unter Vermeidung
jedes unsachlichen und dem Wesen des Materials
zuwiderlaufenden Scheines bereits hervorragende
architektonische Leistungen gezeitigt
haben: Silos und Gasbehälter, Speicher
und Fabriken, Bahnhofshallen,Wassertürme usw.
Aber auch hier wird häufig genug der eigentliche
Baukern mit Werksteinen verblendet oder
doch mittels des Vorsatzbetons steinmäßig,
dann meist in Werksteinformen, behandelt;
statt die besondere Eigenart dieses Stampf- und
Gußmaterials als in Schalungen entstandene
fugenlose Masse zu zeigen, die in dieser Technik
liegenden selbständigen Formungsmöglichkeiten
zu suchen.

Die harte Notwendigkeit der Gegenwart hat
auch in den Zweigen des Bauens, die bisher
immer noch die alten Baustoffe und -weisen,
die Ziegel, verwenden konnten, zu einem Umwandeln
geführt. Der Mangel an Kohle, der
zurzeit ein Brennen von Backsteinen fast unmöglich
macht, zwingt, zu anderen Materialien
seine Zuflucht zu nehmen, gerade in dem Teil
des Bauwesens, der infolge der vierjährigen
Baupause jetzt am dringendsten benötigt wird,
im Wohnhausbau. Zahlreiche Ersatzbaustoffe

und -Systeme sind ersonnen und werden sich
voraussichtlich trotz manchen Widerstandes
durchsetzen. Ihnen liegt vielfach der Gedanke
zugrunde, großkörperliche Bauelemente zum
Zwecke schnellerer Erstellung der Wohnungen
für die kleinen Formate, Zement und Beton
statt des gebrannten Tones zu verwenden. Auch
hier drängt sich wieder die Frage auf, ob bei
Erfüllung selbst aller sozialen und technischen
Bedingungen — der statischen wie hygienischen
, wärmewirtschaftlichen wie feuerpolizeilichen
— das künstlerische Moment genügend
gewürdigt ist. Die ästhetischen Forderungen,
die bei diesen Bauweisen an ihre Gestaltung zu
stellen sind, werden naturgemäß von der Art
des Aufbaues in den neuen Materialien abhängen
, zunächst davon, ob es sich um aus einzelnen
Elementen zusammengesetzte Wandteile
handelt, oder ob die ganze Mauer aus einer
Masse gestampft ein einheitliches, nicht zerlegbares
Ganzes darstellt, In beiden Fällen wird
die Ausbildung der Wandflächen unabhängig
von Bauweise und Baustoff, wenn sie mit der
nicht nur gegen klimatische Einflüsse schützenden
Putzschicht überzogen ist. Die architektonische
Gestaltung ist dann natürlich ziemlich


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