http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0151
GARTENARCH. FR. GILDEMEISTER-BREMEN
entstanden und bilden so gewissermaßen einen
weiteren Ausklang des architektonischen Gesamtorganismus
, einen gegliederten Raum, wo man
— gleich fern vom häuslichen Betrieb und von
dem Verkehr der Straße — eine Erholungsstätte
reizvollster Art findet. Weiträumige Plätze,
wo Raumverhältnisse solche gestatten, wechseln
mit schattigen Gängen und Wegen. Im allgemeinen
verfolgt Gildemeister das Prinzip, in der
Nähe der Architektur des Hauses eine strengere
Gesetzmäßigkeit der Anlage walten zu lassen,
die allmählich weicher ausklingt. Aber diese
Gesetzmäßigkeit hat nichts Akademisches oder
gewaltsam Konstruiertes und wenn man auch
überall den Rhythmus eines strengen logischen
Aufbaues fühlt, so tragen die Gärten doch den
Anforderungen des modernen Lebens mit seinem
Bedürfnis nach individueller Gestaltung durchaus
Rechnung. Wo es die Zweckmäßigkeit nur
irgend gestattet, und sobald die Gesetzmäßigkeit
der Gesamtanlage gesichert ist, tritt das
rein schmückende Prinzip durchaus in seine
VORGARTEN M. IN BREMEN
Rechte: ein köstlicher Blumenflor streut vieltausendfaches
Leben aus und verbannt jeden
puritanischen Ernst, wie der „Rosengarten in
einem Landgarten" bei Bremen veranschaulicht.
Dem sicheren Verständnis für die Form steht
bei Gildemeister ein lebhafter Sinn für Farbigkeit
zur Seite. Ein physiognomieloses Vielerlei
liegt ihm aber dabei fern. Indessen sucht er
den Jahreszeiten, dem Frühling, Sommer, Herbst
und Winter mit ihrem wechselvollen Farbenspiel
ihre besonderen Reize abzugewinnen und
sie in Einklang zu bringen mit seinem künstlerischen
Gestalten und Schaffen, um auf diese
Weise aus dem Garten stets nach Möglichkeit
einen das Auge ästhetisch befriedigenden Anblick
zu machen. Mit geschmackvollen Gartenhäusern
, berankten Pergolas und hübschen bequemen
Gartenmöbeln wird die gemessene Einfachheit
oft abwechslungsreich belebt. Jedenfalls
darf man sagen, daß der Grundzug der Gildemei-
sterschen Arbeiten: Klarheit, Würde, Sachlichkeit
und Gediegenheit ist.
A. A. Goetze
124
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0151