Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 125
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GARTENARCH. FR. GILDEMEISTER-BREMEN

(Schluß des Aufsatzes von S. 115)

künstlerischen Ausdruck der Wand von Bedeutung
. Liegende Rechtecke geben der ganzen Mauer
etwas Behäbiges, Lagerhaftes, an den Boden Ge-
schmiegtes, was zumal unter einem großen schützenden
Dach das Haus mehr als Stätte ruhigen
Geborgenseins erscheinen läßt als die stärkere
Betonung der Senkrechten. Daher will auch
die vertikale Tendenz der Betonfachwerkgerippe
gar nicht recht zum Wesen solchen wohnlichen
Heimes passen, wenn bei den aufschießenden
Pfeilersystemen besonders beim Hervortreten
aus der Wand das Flächige der Mauer zurücktritt
und die Senkrechte betont wird, zumal bei
geringerer Längenentwicklung der Front der
Rhythmus der Vertikalen schon nach drei- bis
viermaligem Wechsel von Pfeiler und Gefachen
erschöpft ist. Es müßte sich denn das Gerippe
in die Gesamtmauer einordnen und höchstens
durch farbige Behandlung herausgehoben sein;
Fachwerkwirkung, die allerdings dann auch
deutlich zutage treten sollte. Dabei ist die Erinnerung
oder gar Verwechslung mit Holzfachwerk
aus den anders gearteten statischen
Forderungen heraus durch eindeutige Ausbildung
in Form und Farbe zu vermeiden.

Für die Haltung des Baues ist von nicht zu
unterschätzender Bedeutung die Struktur und

AUS DEM GARTEN DES LANDGUTES
SCH. IN ST. MAGNUS BEI BREMEN

Farbgebung des Materials. Bei beiden wird
übertriebene Gleichmäßigkeit und Glätte das
Gefühl des Eintönigen, Langweiligen, Charakterlosen
aufkommen lassen. Diese Gefahr ist
besonders stark bei rein maschinell hergestellten
Materialien. So ist der Handstrichziegel
in seinen kleinen Unebenheiten und den Zufallstönungen
viel lebensvoller als der korrekte,
auf Millimeter genaue, in den Färbungen nicht
schwankende Maschinenziegel. Das zeigt sich
noch mehr an der faden Erscheinung so vieler
Verblendbauten, deren in Farbe und Form vollständig
gleichmäßige Baueinheiten dem Gebäude
selbst bei größtem Reichtum ein totes
Aussehen verleihen. Bei den Ersatzbaustoffen
ist, wenigstens soweit es sich um maschinenmäßig
in Fabriken hergestellte Massenerzeugnisse
handelt, solche, die also nicht erst auf der
Baustelle gestampft werden, diese Gefahr besonders
groß. Ihre Fabrikation in Holz- oder
Metallformen bedingt große Gleichmäßigkeit;
umsomehr muß dann aber der Baustoff selbst
so zusammengesetzt sein, daß seine Struktur
nicht die Ebenheit und Gleichförmigkeit hat,
zu der die Maschinenarbeit leicht führt. Kräftige
Oberflächenwirkung wird bei Betonmischungen
, die andere Stoffe z. B. Schlacken
und Koksaschen enthalten, leichter erzielbar,

Dekorative Kunst. XXIII. 4. Januar 1920

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