http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0155
ANNA KESSLER-PLAUEN I. V.
SPITZENKRAGEN (FREIE NETZSPITZE)
Zum Musterschutz angemeldet
liehe Bauten zur Abwendung der Materialnot
neuerdings wieder sehr empfohlen wird. Das
Verfahren, den nicht zu fetten, möglichst wenig
feuchten Lehm zwischen Schalungen zu stampfen
, ist das gleiche wie beim Stampfbeton. Die
Vorbedingungen für die künstlerische Behandlung
wären also die gleichen, wenn nicht die
Unmöglichkeit, die Lehmwand unverputzt zu
lassen, eine wetterbeständige Schale aus Kalkmörtel
verlangte. Da Putz auf Lehm schlecht
haftet, wird er nach verschiedenen Systemen
auf Drahtnetzen aufgetragen. Die architektonische
Ausbildung ist dann ganz unabhängig
von der Bauweise selbst, da es sich eben um
einen gewöhnlichen Putzbau handelt. Anders,
wenn, wie Baurat Siebold vorschlägt:;:), der
Putz mittels besonderer Ersatzlehren gleich
miteingestampft wird, also ebenfalls die Eigentümlichkeiten
des Stampfbaues annimmt.
Von den sonstigen Ersatzbaustoffen und
-weisen, deren architektonische Behandlung
Beachtung verdient, sind noch die Holzbauten
zu erwähnen. Sie sind allerdings meist als
Fachwerkbauten mit eingeschobenen Füllungen
, Stülpschalungen, senkrechten Brettwänden
mit durch Leisten verdeckten Fugen usw. nicht
wesentlich verschieden von den alten Fach-
*) Siebold, „Viventi satis", II. Teil, S. 43. Verlag
der Anstalt Bethel b. Bielefeld 1918.
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