Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 138
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MAX HEIDRICH

WOHNZIMMER. DEUTSCH-NUSZBAUM
Ausführung: Werkstätten Bernard Stadler, Paderborn

an einen „deutschen Stil", der sogar die Welt
erobern könnte. Das war ein historischer Irrtum
, wie wir ihn im Kriege mit der deutschen
Mode erlebten. Wir können uns aus den großen
Zusammenhängen nicht lösen! War unsere
neue Bewegung gesund, so mußte sie sich
weiter entwickeln, ohne daß ausgesprochene
Homunkulus-Versuche aufhalten konnten. Als
die Linearperspektive entdeckt war, gab es
Künstler, deren Bilder nur die Freude an der neugewonnenen
Fähigkeit, perspektivische Schwierigkeiten
zu meistern, ausdrückten. Als die
Luftperspektive neu entdeckt war, wurde es
nicht anders, und als man den Impressionismus
als Prinzip gefaßt hatte, vergaß man, daß ein
echtes Kunstwerk erst da anfängt, wo die Impressionisten
den letzten Strich gemacht hatten.
Und so ist es mit den ungebrochenen Farben
und den künstlerischen Theoremen überhaupt.
Eine Weile machen sie den Anspruch, für sich
als Ziel und Zweck gültig zu sein, bis sie gemach
Hilfswissenschaft werden und verarbeitet
erst richtig dem Fortschreiten der Kunst (um
das ominöse „Entwicklung" zu vermeiden)
dienen. Der alleinseligmachenden Konstruktion
im Möbel unter Ausschluß der Tradition
ging es nicht anders: auch sie wurde, als sie
wieder selbstverständliches Können vieler wurde,

Hilfswissenschaft, genau wie das, was an den
erwähnten Theorien brauchbar war. Und als
das Ziel trat immer klarer heraus: Keine geschmückten
oder puristisch einfachen Möbel,
sondern praktisch brauchbare und gutgearbeitete
zu machen. Und damit schieden sich allmählich
zwei Wege: der eine folgte dem mehr
und mehr erwachenden Bedürfnis nach reicherer
Form und kostbarer Arbeit, der andere hielt
sich mehr an die gewonnene Erkenntnis sachlicherer
Formen. Um neuen Schmuck für moderne
Möbel zu gewinnen, sah sich das Kunstgewerbe
, nachdem sich aus dem Naturalismus
keine Schmuckformen von bleibendem Wert ergeben
hatten, nach Halt um und fand damit
wieder Anschluß an die scheinbar ein für allemal
beseitigte Tradition. Und hier drohte einen
Augenblick Gefahr, als man (wenigstens in
Berlin) zu den Resten des preußischen Klassizismus
griff. Diese Kunst aber war ein steriles
Ende ohne Phantasie, und das neu erwachende
Bedürfnis, nach den Peinlichkeiten des Naturalismus
die Phantasie zu ihrem Recht kommen
zu lassen (in der Literatur gab es die gleiche
Bewegung), führte von selbst zum 18. Jahrhundert
. Daß diese Zeit wieder Einfluß gewinnen
konnte, lag nicht zum wenigsten daran,
daß man den Mut hatte, sich das Recht zuzu-

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