Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 167
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ARCH. HANS ROSS-NEUMÜNSTER

in jenen Tagen zu entwerfen; genug, daß durch
den Hinweis auf diese beiden sich zunächst ausschließenden
Gedankenkreise die Wurzeln aufgedeckt
scheinen, auf die der Klassizismus einerseits
, die national-verwurzelte Neubelebung gotischer
Formenwelt andererseits zurückreichen.
Die Verwirklichung des deutschen Einheitsstaates
schien noch in weiter Ferne zu liegen —
in empfindsamer Reizbarkeit versenkte man sich
in romantisch - altdeutsche Träumereien und
suchte die deutsche Einheit zunächst im Gebiete
der Kunst zu verwirklichen. Hierzu erschien
die Gotik noch geeigneter als der romanische
Stil, hauptsächlich aus dem Grunde,
weil die Gotik die Formenwelt der großen Zeit
des alten Deutschen Reiches, die Herrlichkeit
des römischen Kaisertums deutscher Nation

HAUS ERBT IN NEUMÜNSTER: GARTENSEITE

widerspiegelte. Aus dieser engen Verquickung
von romantischem Empfinden der Form und
des völkischen Inhalts ergab sich folgerichtig,
daß in den Kreisen der Romantiker vor allem
das Verlangen nach Kaiser und Reich immer
drängender ward, immer stürmischer sich offenbarte
.

Anders aber malte sich das Bild der Welt
in jenen Köpfen, die Goethes Epigramm aus den
Tagen der französischen Revolution nachzuempfinden
und mitzuerleben vermochten:

„Franztum dränget in diesen verworrenen

Tagen, wie ehmals

Luthertum es getan, ruhige Bildung zurück."

Das Ideal ruhiger Bildung, geistiger Abgeklärtheit
ward hier lebendig, und die auf diesem
Boden stehenden Persönlichkeiten greifen aus

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