Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 172
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ARCH. PAUL POS ER-BERLIN LANDHAUS BERGER-FROHNAU BEI BERLIN

gesetze im Bereich der Physik. Das macht uns die
Langsamkeit der Entwicklung aller kulturellen
Äußerungen begreiflich und läßt uns in dieser
Hinsicht einen Maßstab von Jahrhunderten anlegen
. Andererseits aber wissen wir auch, daß das
Gesetz der Entwicklung ein unausweichliches ist
— wobei wenigstens kurz darauf hinzuweisen ist,
daß Entwicklung und Fortschritt nicht Synonyma
sind. Deshalb kann für uns irgendein
Ideal in der Vergangenheit nicht mehr ruhen.
Nunquam retrorsum ist unser Wahlspruch, vorwärts
gerichtet der Blick! Und wenn daher
heute das ästhetische Bewußtsein sich wieder
gotischen Formen zuwendet, so nicht in dem
Sinne einer Wiederaufnahme und Neubelebung

vergangener Gestaltungsfülle. Die psychische
Disposition für diese Wandlung des ästhetischen
Bewußtseins ist vielmehr darin gegeben, daß
uns wie dem mittelalterlichen Menschen die
harmonische Lösung zwischen Körper und Seele,
Gott und Welt fehlt.

Der große Pan ist tot, und wir erleiden die
Welt wieder wie der verzweifelnd-ringende Faust
sie erleidet. So wenig aber Goethes gewaltiger
Faust der Doktor Faustus des mittelalterlichen
Puppenspiels ist, so wenig identisch ist unser
Lebensgefühl mit dem des gotischen Menschen,
dem die Hoffnung auf die Auflösung dieser
Dissonanz, auf die vollendete Harmonie im
Jenseits Religion und Glaube war. Uns Heutigen


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