Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 177
(PDF, 108 MB)
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WERKSTÄTTE EMMY ZWEYBRÜCK-WIEN

BILDERBÜCHER, BÄNDER, FÄCHER,
GESCHNITZTE HOLZFIGUREN □

NEUE WIENER TEXTILKUNST

Von den unmittelbaren, greifbaren Folgen des
Krieges soll nicht mehr die Rede sein. Davon
hat man schon gerade genug zu hören bekommen
. Aber daneben machen sich in unserem
Kunsthandwerk einige weniger offenliegende,
krankhafte Erscheinungen bemerkbar, auf die
nicht genug frühzeitig und energisch hingewiesen
werden kann. Um es gleich und geradeaus
zu sagen: der Zusammenhang mit dem
Volkstümlichen hat sich gelockert, das Qualitätsgefühl
hat abgenommen und unter den Techniken
werden jene leichteren Arten in gefährlichem
Maße bevorzugt, die schnelle Ergebnisse
und äußere Erfolge versprechen.

Das alles gilt nun im besonderen Grade für
die Textilkunst.

Was der Zusammenhang mit dem Volkstümlichen
ganz allgemein für das Kunsthandwerk
, was er namentlich für das provinziell und
national so reich gegliederte österreichische bedeutet
, braucht hier nicht neuerdings wiederholt
zu werden. Immer hat er sich hier als eine
erfrischende, lebensspendende Kraft, als eine

bodenständige Verwurzelung, als eine Befestigung
handwerklicher Arbeit und Gesinnungen
und als ein fast unerschöpfliches Behältnis von
Anregungen bewiesen, die trotz ihrer historischen
Herkunft den Fortschritt des Werkes keineswegs
verhinderten und die es bloß mit jenen
angemessenen, natürlichen Schranken umgaben,
innerhalb deren es mehr vertiefend als ausschweifend
vorzugehen gehalten wurde. Aus
diesem Zusammenhang erwuchsen seinerzeit die
schönen Anfänge unserer modernen Textilkunst:
die Sorgfalt, Liebe und Mannigfaltigkeit der
Arbeitsweisen, die energische, eigenwillige und
ausdruckshafte Linie, die helle und saftige Farbenfülle
, die ornamentale Musterung u. v. a.
Heute ist hier die handwerkliche Gradheit vielfach
abgeschliffen, das Ursprüngliche verallgemeinert
, das Volkstümliche großstädtisch verdünnt
und verfeinert. Der Krieg hat Land und
Stadt auseinander gebracht.

Das Qualitätsgefühl hat abgenommen. In
engster Verbindung damit steht die Abkehr von
allerhand langwierigen und schwierigen Tech-

Dekorative Kunst. XXIII. 6. März 1910

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