http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0217
BEISPIELE GUTER FIGÜRLICHER MARKEN
Aus: G. E. Pazaurek, Die Schönheitswerte der Postmarken. Stuttgart, W. Meyer-Ilschen
der Einzelstaaten fast völlig verschwinden läßt.
Die nach meiner Ansicht absolut stillosen Landschafts
- und Historienbilder kamen erfreulicherweise
überhaupt nicht in engeren Wettbewerb.
So ist es unter diesen Gesichtspunkten gewiß
kein bloßer Zufall, wenn Franz Paul Glaß'
allegorische Frauenfigur der Industrie mit dem
ersten Preis ausgezeichnet wurde. Tatsächlich
gehört sie in ihrer geschmeidig-gefälligen Linienführung
, der ausgezeichneten Ineinanderfügung
von Zahl, Schrift und Bild und in
ihrer glücklichen Raumverteilung zum besten,
was vorhanden war. Sie ist modern knapp in
der Linienführung, ohne zum Widerspruch zu
reizen. In gewisser Verwandtschaft steht sie zu
Rotys berühmter, akademisch-gefälligen, doch
nicht bildmäßig geschlossenen Säerin (Abb. s. oben
unter Nr. 4). Kraft und ausdrucksvolle Eigenart
zeichnet E. R. Vogenauers Löwenkopf aus, dem
man auch einen ersten Preis zuerkannte. Allerdings
ist die Verschmelzung von Bild und Schrift
nicht in der Zeichnung gegeben, sondern müßte
durch Papier und Farbe erreicht werden. Einen
weiteren ersten Preis erzielte das fein abgewogene
, selbständige und klare Markenbild der
Patrona Bavariae von Siegmund von Weech,
das jedoch einer bayerischen Republik von Eisners
Gnaden als Signum nicht adäquat ist. Die
reine Ziffernmarke nimmt Jul. Nitsches Blättchen
auf, deutlich und hübsch verteilt, aber doch
etwas etikettenhaft verschnörkelt.
An diese ersten Preise schließen sich zwei
zweite: einer wieder für eine Marke von S. v.
Weech, die gerade in der glücklichen Vereinigung
von Heraldik und Zahl ihren Wert besitzt. Hugo
Frank hat etwas Ähnliches schon in einer württembergischen
Jubiläumsmarke 1916 zu erzielen
gesucht (Abb. S. 186, Nr. T4). Doch scheint mir
Weech die dortige Starrheit und Korrektheit mit
einer weicheren, gefälligen Linienführung um-
187
25*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0217