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F. STAEGER E VOLLBILDER ZU A. STIFTERS ERZÄHLUNG „DIE NARRENBURG" (RADIERUNGEN)
LANDHAUS UND GARTEN*)
Zu den Abbildungen im Märzheft S. 161—176
Die furchtbare Wohnungsnot der Gegenwart fordert
von uns das Schaffen von Wohnraum, die
Ausnutzung jedes Winkelchens für menschliche
Behausungen, die Erfassung auch des kleinsten
Raumes zur Unterbringung Wohnungsloser. Die
schwere Sorge, wie wir den Heimsuchenden Wohnungen
zuführen können, vorhandene durch mehrfache
Belegung, neue durch Bauen von Kleinhäusern
und -wohnungen — auf sparsamste, einfachste,
anspruchsloseste Weise — und dabei doch leider zu
einem Preise gleich dem eines stattlichen Landhauses
von Vorkriegszeiten — lenkt scheinbar unseren
Blick und unsere Gedanken ab von jener
schönen behaglichen Wohnkultur, die vor 1914
schon im langsamen Vorwärtsschreiten uns manche
Blüte trefflichen Hausbaues gebracht hatte. Wie
kann da selbst bescheidener Luxus noch erstehen,
wo Bauen in allereinfachster Form das Zehnfache
früherer Kosten erfordert. Und doch sollte man die
Hoffnung auf bessere Zeiten — auch im Bau- und
Wohnwesen — nicht aufgeben, und wenn die praktische
Betätigung im Augenblick auch sehr erschwert
ist, sich um so tiefer im Geist mit den
Fragen schlichter, aber gehobener Wohnweise beschäftigen
, die über die dringendsten Anforderungen
notdürftigster Unterbringung des Menschen
doch ein gewisses Behagen und Wohlbefinden atmet.
*) Muthesius u. Maaß, Landhaus und Garten. Beispiele kleinerer
Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gartenanlagen
. Neue Folge. Mit 270 Abbildungen. Gebd. M. 30.—.
München, F. Bruckmann A.-G.
Daß auch dabei den veränderten Verhältnissen entsprechend
Sparsamkeit und Einfachheit geboten
ist, darf nicht außer acht gelassen werden; daß aber
trotzdem — oder vielleicht gerade deshalb — Schönes
und Gediegenes geschaffen werden kann, zeigt
die neueste große Veröffentlichung von Hermann
Muthesius, die neue Folge seines weit bekannten
Werkes „Landhaus und Garten", das er gemeinsam
mit dem Gartenarchitekten Harry Maaß herausgegeben
hat. Auch er wirdnatürlich den Forderungen des
wirtschaftlichen Tiefstandes im jetzigen Deutschland
gerecht, und er weist in dem textlichen Teil
des Werkes, der den Landhäusern und ihrer Inneneinrichtung
gewidmet ist, darauf hin, wie man weitgehende
Ersparnisse und Verbilligungen im Bau
und Betrieb des Landhauses erzielen und trotzdem
ein schönes, behagliches und gemütliches Eigenheim
schaffen kann. Dazu bedarf es zunächst einer
gewissen Beschränkung des Raumbedürfnisses in
der Zahl der Wohnräume wie ihrer Größe und Höhe.
Demgemäß muß im Hause jede Einzelheit noch
mehr durchdacht und überlegt werden, und den Bedürfnissen
entsprechende Grundrißgestaltung, Aufteilung
und Anordnung der Zimmer ist erste Bedingung
guten Bauens. Diese so notwendige Raumeinschränkung
braucht keineswegs auf Kosten der
guten Raumwirkung zu geschehen, im Gegenteil
werden kleine Zimmer bei gut gewählten Verhältnissen
behaglicher und schöner wirken, als zu große.
Voraussetzung dafür aber ist, daß die Möbel sich
diesen verkleinerten Raumabmessungen ebenfalls
20g
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