Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 215
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arch. h. sörgel-münchen tanzübungsraum (auszenansicht)

das allergrößte Interesse an dem umgebenden
Raum haben muß!

Welche Art Raum, welche Form der Architektur
verlangt nun die Tanzkunst? Ist die
Theaterbühne mit ihren Kulissen und Rampenlichtern
, ein Maleratelier, irgendein Speiseoder
Versammlungsraum mit seiner willkürlichen
Beleuchtung und Abmessung der geeignete
Rahmen ? Kann eine solche Umgebung
den Tanz überhaupt inspirieren, oder hemmt
sie ihn nicht vielmehr in seiner Entwicklung ?
Sind nicht solche Räume seinem innersten
Wesen widersprechend
und widersinnig? Um
diese wichtigen, viel zu
sehr unterschätzten
Fragen zubeantworten,
muß man auf den seelischen
Entstehungskeim
jeder wahrhaft
künstlerischen Tanzregung
zurückgehen, und
hier kann wiederum
Duncan, die ja die eigentliche
Schöpferin
des modernen Tanzes
ist, einige Aufschlüsse
geben. Sind auch ihre
Ausdrucksmöglichkeiten
heute längst übertroffen
, so bleibt doch
ihre Auffassung noch
vorbildlich. An ihrem
Tanz ging alles von
einer inneren Vorstel- grundrisz

lung, gleichsam von einem seelischen Kern wie
vom Mittelpunkt einer in sich harmonisch geschlossenen
Welt aus*). Wer einmal im Pantheon
in Rom die ganze Kraft des umgebenden Runds
empfunden hat, der könnte sich hier Isadora
Duncans Tanz — und die Tanzkunst überhaupt
— entstanden denken. Allseitigkeit, Kontakt mit
allen Richtungen und Dimensionen, aber doch
zugleich höchste Konzentration, Abgeschlossenheit
nach außen und Eigenbedeutsamkeit in sich
selbst kommen hier überzeugend stark zum Ausdruck
. Es sind jene Gleichmäßigkeit, Freiheit

und Harmonie nach
allen Seiten, welche in
jedem pantheonartigen
Kugelraum die eigene
Körperempfindung zu
einer künstlerischen

Auseinandersetzung
mit der umgebenden
Außenwelt unwillkürlichanregen
. DieRaum-
kräfte spannen den
Körper förmlich in den
Mittelpunkt einer Welt

■SD.

ober-
geschosz

*) Sie sagte zu ihren
Kindern nicht: „Hebt
den Kopf hoch und
werft die Brust heraus",
sondern sagte bildlich:
„Denkt daran, daß die
Erde eine Kugel ist und
ihr auf ihr immer aufwärts
schreiten müßt."
Ganz von selbst werden
so Kopf und Brust frei.

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29*


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