http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0252
SCHLOSZ FREIEN WALDE
TREPPENHAUS
bildung des Landhauses eine starke Seite der
Berliner Bauschule um 1800 gewesen. Die
Raumschöpfungen dieses Vorempire lassen mit
aller Deutlichkeit erkennen, daß hier Deutschland
im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts sowohl
in der Zimmerdekoration wie in der Möbelkunst
seine eigenen Wege gegangen ist. Es
hat da einen durchaus selbständigen Formenausdruck
gefunden, der sich von dem Louis seize
in Frankreich, so stark dies eingewirkt hat,
ebenso unterscheidet, wie von dem Adamsstil
der Engländer, der nicht minder anregend gewesen
ist.
Eines der köstlichsten Beispiele dieser Art
ist das ehemals königliche Schloß in Freienwalde
an der Oder. Unter Verwendung der
Aufnahmen des oben genannten Buches soll
der Innenausstattung dieses Landsitzes eine
kurze Würdigung zuteil werden. Vor etwa
zehn Jahren ist die Besitzung von Herrn
Dr. Walter Rathenau erworben worden, der
Schloß und Park wieder hergerichtet hat, ohne
indes die künstlerisch und geschichtlich wertvollen
Teile in ihren Grundzügen zu verändern.
Das Schloß liegt am Abhänge des Schloßgartenberges
inmitten eines großen Parkes, der von
der Straße zwischen der Stadt und dem Bade
Freienwalde sich bis auf den langgestreckten
Bergrücken hinaufzieht. Eine Seite des Parkes
grenzt an die alte Stadt Freienwalde, die sich
im Halbbogen um diesen Berg herumlagert.
Von der Höhe des Parkes genießt man den
Blick einerseits auf eine Reihe bewaldeter Bergkuppen
, auf der anderen über die weiten Oderwiesen
fort; ostwärts verliert sich das Auge
in den endlosen Ebenen des Oderbruches, die
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