http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0260
SCHLOSZ FREIEN WALDE
von dem farbigen Zusammenklang der bunten
Tapetentöne mit Fensterdrapierungen, Möbelbekleidungen
, Fußteppichen mit Läufern im
deutschen Wohnraum um 1800 können wir überhaupt
nur noch aus den gleichzeitigen Aquarellaufnahmen
solcher Zimmer gewinnen. Es sei hier
beiläufig darauf hingewiesen, daß eine Sammlung
der schönsten solcher Zimmerdarstellungen in farbiger
Wiedergabe von dem Verfasser dieser Zeilen
unter dem Titel „Vor hundert Jahren, Der deutsche
Wohnraum der Biedermeierzeit" im Laufe
des Sommers beim Verlag für Kunstwissenschaft
in Berlin herausgegeben wird. Wie die Wandbekleidungen
in Papier, so zeigen auch die übrigen
Elemente der Freienwalder Räume, daß mit
den einfachsten Mitteln das Gepräge der Anmut
und Vornehmheit erreicht werden kann. Es sei
nur auf die schlichten weißlackierten Türen hingedeutet
, die stets mit der größten Sicherheit
den Verhältnissen der Wand angemessen sind,
ferner auf die schlichten Stuckkamine, deren
fast jedes Zimmer einen besitzt; sie sind vor die
abgeschrägte Ecke gestellt; die Wand darüber
ist durch ein glattes weißlackiertes, in einige
ZIMMER IM OBERGESCHOSZ
Felder gegliedertes Holzgetäfel mit Spiegel verkleidet
; die kleinen vergoldeten Armleuchter zu
Seiten dieses Spiegels sind auch nur aus geschnitztem
Holz. Von größter Knappheit sind
die Stuckgesimse unterhalb der Deckenvoute.
Gerade in der Abstimmung dieser wenigen Bauglieder
auf die Verhältnisse der Räume beruht
die letzte Feinheit ihrer Wirkung. Es bedarf
kaum näherer Erklärung, daß die räumlichen
Verhältnisse der Zimmer, die Beziehung zwischen
Höhe, Tiefe und Breite vollkommen sind. In dieser
selbstverständlichen Proportionierung liegt überhaupt
der Kern dessen, was uns diese Architektur
heute so wertvoll macht. Durch das Studium dieses
lebendigen Räumlichen, wohlgemerkt, wird
der Geist dieser Kunst fruchtbar, keineswegs
aber durch Kopieren irgendwelcher Einzelheiten.
Das gilt natürlich auch von der beweglichen
Ausstattung, dem Mobiliar. Wie die Möbel zu
lebensvollen Gruppen zusammen in dem Rahmen
des Zimmers wirken: dies muß der denkende
Künstler zum Gegenstand des Studiums
machen, nicht aber die Einzelformen selbst
nachzuahmen suchen. Die Möbel in Freien-
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