http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0264
MARGA JE SS-LÜNEBURG
ZUCKERSCHALE UND LÖFFEL IN SILBER
nur durch Materialprotzerei ist an diesem Stücke
zu finden, sondern das Eichenholz ist nur durch
sparsam angebrachte, künstlerisch vollendete
Silberbeschläge in seinem vornehmen Eindruck
gesteigert. An den von ihr entworfenen Gefäßen
treten häufig die Buckelungen hervor, die an
alten Stücken dann je nach der Verbindung mit
dem Ornament für gotisch oder Renaissance von
dem oberflächlich Denkenden erklärt werden;
aber diese Buckelung ist kein dekoratives Element
, wie schon ihr Vorkommen in fast allen Stilen
zeigen sollte, sondern hat mehr eine statische
Bedeutung, das heißt, durch das Heraustreiben
dieser Buckel erhielt der Gefäßkörper größere
Widerstandsfähigkeit gegen Stoß und Druck
und ferner auch bei gleichem Materialverbrauch
ein größeres Volumen; überdies erhält das Gerät
dadurch mannigfach spiegelnde Flächen.
Dieses plastische Empfinden für das wechselvolle
Spiel zwischen Licht und Schatten ist überhaupt
allen Arbeiten der Künstlerin zu eigen, gibt sich
auch an ihren Schmuckstücken als besonderes
Charakteristikum zu erkennen ; die häufig auftretende
durchbrochene Arbeit namentlich bei
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