http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0267
M. JESS m SILB. BROSCHE MIT TÜRKIS-MATRIZE
M. JESS □ SILBERNE SCHLIESZE MIT MALACHIT
DAS WIEDERERWACHEN DES GOBELIN-VERSTÄNDNISSES
Vor etwa 40 bis 50 Jahren wurde der Wert
alter Gewebe recht mäßig veranschlagt und
Gobelins hielt man für wertlosen Plunder. Vielfach
benützte man diese als Fußbodenbelag und
wo sie als Wanddekoration dienten, war es nicht
immer in kunstvoller Umgebung.
Als ich vor einigen Jahren, kurz vor dem
Kriege, den greisen Kastellan eines Schlosses,
das damals noch als Sommerresidenz benutzt
wurde, auf den erbarmungswürdigen Zustand
einiger dort befindlicher herrlicher, aber ganz
übel zugerichteter, zweifelsohne echter Gobelins
aus der Pariser Staats-Manufaktur aufmerksam
machte, erwiderte er mir mit unge-
heucheltem Bedauern: „O ich kann mich noch
ganz gut entsinnen, wie man mit eben diesen
Teppichen vor etwa 40 Jahren Möbel, Bilder
und sonstige Ausstattungsstücke, die in die
Nachbarresidenz geschickt wurden, umwickelte."
Erinnert so etwas heute nicht an Münchhausen
?
Dabei war jener Hof kein bedeutungsloses
Duodez-Höfchen, sondern seit Jahrhunderten als
besonders kunstliebend und kunstverständig
bekannt.
Konrad Astfalk, der mit seinen Schriften viel
zum Wiedererwachen des Gobelin-Verständnisses
beigetragen hat, weiß von der Behandlung
der preußischen Hofkunstschätze eine
noch drastischere Geschichte zu erzählen. Der
MARGA JESS
Dekorative Kunst. XXIII. 8. Mai 1920
ARMBÄNDER. SILBER MIT TÜRKISEN
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