http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0269
der durch die Zeit und das
Verbleichen entstandenen
Veredelung und Verschönerung
des Wandteppichs ist
also dabei keine Rede! Und
doch handelt es sich hierbei
um klassische Originale!
Ein zweites Beispiel! Der
teuerste Gobelin: der aus der
Staats-Manufaktur in Paris
oder Beauvais stammende
antike wirkliche Gobelin!
Den Karton, einen der
beiden Hauptkostenpunkte
für Berechnung des Herstellungspreises
einer alten
Tapisserie, müssen wir heute
vorweg in Betracht ziehen,
denn die berühmten Kartonmeister
der Blütezeit der
Gobelinkunst erhielten für
ihreWirkerei-Entwürfe entsprechend
große, z. T. ganz
riesige Summen. Frangois
Boucher z. B., der fruchtbarste
Gobelin - Kartonist
des Rokoko, forderte und
erhielt, wenn wir wieder
die damaligen Preise
nach Begriffen vor dem
Kriege umwerten, für
einen Gobelin-Entwurf
etwa die Summe von
hunderttausendFranken.
Wenn nun ein solcher
Karton in der Pariser
Staatsmanufaktur wirklich
zwei oder auch drei
Wiederholungen erlebte
— noch häufigere Wiederholungen
sind so seltene
Ausnahmen geblieben
, daß sie die Regel
nur bestätigen — so hat
jeder der darnach gewirkten
Bildteppiche mit
50000 oder, geringst gerechnet
, mit 34000 Franken
Anteil an den Kartonkosten
.
Ich spreche ausdrücklich
bei Gobelins, die am
Hauptmarkt Paris gehandelt
werden, von
Franken. Bei Verdüren,
als einer mehr internationalen
Ware, von
Mark.
marga jess h anhänger. vergoldetes
silber mit karneol
marga jess m silberner anhänger, teilweise
vergoldet, mit amethysten und
halben perlen
Zur weiteren Verständ-
lichmachung soll hier eine
von Astfalk aufgestellte Berechnung
wiedergegeben
werden. Der heutige un-
natürlicheTiefstand unserer
Valuta bleibt dabei außer
Betracht, denn die Preise
beziehen sich auf die Zeiten
kurz vor dem Kriege. Ein
Geviertmeter Gobelingewirk
nach einem Boucher-
Karton betrug durchschnittlich
etwa 5000 Fr., denn ein
Geviertmeter war etwa die
Jahresleistung eines Wirkkünstlers
, wie er für eine
solche Meisterleistung einzig
in Frage kam, der in
einem Arbeitstage je 32 bis
34 Geviert-Zentimeter fertigstellte
, d.h. also in einem
Jahre etwa 9600—10200 Geviert
-Zentimeter = einem
Geviertmeter, und der dafür
rund 4000 Fr. Gehalt bar,
zuzüglich freier Wohnung,
späterer Pensionierung
und weiteren Zuwendungen
in Summa demnach
etwa 5000 Fr. erhielt, so
stellte sich damals ein
Manufaktur-Gobelin von
etwa 4x5 = 20 Geviertmeter
(eine übliche
Größe) x 5000 Fr. Gehalt
und Vergütungen für
den Wirker auf rund
100000 Fr. nur Wirkkosten
. Zählt man noch
etwa 5000 Fr. pro Gobelin
für Generalunkosten und
für Material: Seiden,
Wollen und Färberei einschließlich
aller Verwaltungsspesen
hinzu —
was bei 30 Wirkern —
30 Geviertmetern nur
150000 Fr. ausmacht im
Jahr — und etwa 50000
oder 34000 Fr. für den
Kartonanteil (sehr viele
Stücke sind überhaupt
nur einmal gewirkt worden
, so daß bei solchen
der volle Kartonpreis dazu
kommt = 100 000 Fr.),
dann steht der aus der
235
32*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0269