Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 236
(PDF, 108 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0270
Summe der angeführten
Posten errechenbare
Herstellungspreis
eines solchen Gobelins:
140 000 oder 150 000 oder
gar 205000 Fr. in einem
direkt scherzhaften
Mißverhältnis zu
seinem heutigen Marktwert
als Altertumsstück
von 80000 oder icoooo
oder hochgerechnet
120000 Fr. Und zurzeit
sind die Boucher-
Gobelins die höchst bezahlten
am Markt. Ich
möchte allerdings hierbei
darauf hingewiesen
haben, daß ich besondere
Liebhaberstücke
in burgundischen oder
gotischen Seltenheiten,
für die wohl auch einmal
500000 oder 600000 Fr.
gefordert und gezahlt
worden sind und noch
werden, nicht als „Tapisserien
am Markt"
bezeichnen kann.

Auch bei diesen echten
Gobelins ist also
fast im gleichen Verhältnis
wie bei den eingangs
erwähnten billigsten
Tapisserien, den
antiken „Verdüren",
nur etwa die Hälfte
ihres Herstellungswer-
tesbezahlt.Ebenso fehlt
hierbei auch jedesÄqui-
valent für seine Antiquität
und sein durch
die Zeit bedingtes Viel-
schönergewordensein !

Stellen wir dieser,mit
einer genauen Kenntnis
der in Frage stehenden
Preise und Werte

aufgemachten Aufrechnung einmal die Herstellungswerte
einer antiken Bronze oder Münze,
alter Silber- und Emaillearbeiten, eines alten
Porzellans oder einer Fayence, einer Perlmutteroder
Bernsteinarbeit, einer Marmor- oder Alabaster
-Skulptur, einer Elfenbein- oder Wachs-
Plastik, ja selbst alter Goldschmiedearbeiten
oder kostbarster antiker Möbel gegenüber, und
vergleichen dann damit die heutigen Marktwerte
aller dieser Sammelgegenstände, so wird mir

MARGA JESS

der einsichtige Leser,
der meinen Zahlen aufmerksames
Interesse
entgegengebracht hat,
recht geben, wenn ich
eingangs behauptet
habe, und diese Behauptung
hier noch einmal
wiederhole: Zurzeit
ist der alte Gobelin,
selbst der allerteuerste
immer noch die aller-
billigste, ja, eine geradezu
lächerlich billige
Antiquität am Markt!

Da nun aber naturgemäßalles
Schöne und
innerlich Wertvolle
nach höchster, wenigstens
aber nach entsprechender
Anerkennung
und Bewertung
ringt, was doch wohl
gleichbedeutend ist,und
sich hierzu erfahrungsgemäß
mit der Zeit immer
auch durchgerungen
hat, so glaube ich
mit großer Berechtigung
dem antiken Gobelin
noch eine ganz gewaltige
, weil nur ganz
berechtigte und verdiente
Preissteigerung
in absehbarer Zeit voraussagen
zu dürfen.
Zum Schlüsse meiner
Ausführungen möchte
ich auf einen kleinen
Widerspruch im Sammelsport
hinweisen,
der ebenfalls ein eklatantes
, aber umgekehrtes
Mißverhältnis zwi-
schenHerstellungs-und
Marktwert darstellt.
Ist der antike Gobelin,
wenn man nicht gerade
antike Paläste sammelt, die räumlich größte
Antiquität, so ist die räumlich kleinste, wenn
man nicht gerade antike Weizenkörner oder
Ähnliches sammelt, die — Briefmarke.

Nun vergleiche man die Höchstpreise — viele
Tausend Mark — für so ein — Papierschnitzel,
dessen Herstellungs- und Materialwert doch
gleich Null ist, mit den entsprechenden heutigen
Marktpreisen für antike Gobelins, dann wird man
mich ganz verstanden haben! Karl Micksch

LÖFFEL IN SILBER

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