Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 242
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GARTENHOF N. IN HAMBURG B ENTWURF UND AUSFUHRUNG: JACOB OCHS, GARTENBAU, HAMBURG

NEUE BÜCHER

Valdenaire, Arthur. Friedrich Weinbrenner.
Sein Leben und seine Bauten. M. 32.—. Karlsruhe.
C. F. Müllersche Hofbuchhandlung.

Selten wird eine Stadt ein so einheitliches architektonisches
Bild aufweisen wie Karlsruhe, dessen
20ojähriges Bestehen 1915 zu feiern beabsichtigt
war. Karlsruher Architektur ist gewissermaßen aus
einem Wurf: Weinbrenner ist ihr Schöpfer, ist der
Gestalter des Stadtbildes in seinen wesentlichen
Zügen. Wenn man bedenkt, daß vor 100 Jahren
innerhalb eines Vierteljahrhunderts das heute noch
schätzenswerte Bild geschaffen wurde, und daß ein
Mann es schuf, sowie daß seine Nachfolger in der
Architektur (Hübsch, Berckmüller, Eisenlohr und
Fischer) auf Weinbrenners Schultern standen, so
weitet sich der Eindruck von Weinbrenners Können
und Leistungen ins großartige, um so mehr,
wenn das Gesamtwerk in eine Zeit größten wirtschaftlichen
Niederdrucks (1800—1826) fällt. Mit
Valdenaires Weinbrenner-Buch ist dem in den letzten
Jahrzehnten stark unterschätzten Karlsruher
Baumeister die gebührende Ehrenrettung zuteil geworden
. Valdenaire scheidet, nachdem er den künstlerischen
Entwicklungsgang Weinbrenners über
die Schweiz, Wien, Berlin und Italien gezeichnet
und festgestellt hat, daß sein Meister die Anregung
zum Klassizismus in Berlin empfing und sie in Rom
weiter ausbildete, das Wirken des Karlsruher Meisters
in seine städtebautechnische und in seine architektonische
Tätigkeit. Die erstere hat sich im
wesentlichen für Karlsruhe erschöpft, von kleineren
Arbeiten für Gernsbach und Baden-Baden abgesehen
. Die rein baukünstlerische Tätigkeit hat aber
über Karlsruhe hinaus gewirkt, ist für das junge
Großherzogtum Baden besonders fruchtbar und für
Deutschland bis nach Düsseldorf, Hannover, Leipzig
, ja sogar bis in die Krim ergiebig gewesen.
Wenn man es auch als ein Glück bezeichnen kann,
daß der Weinbrennersche ernste, einfache und im
wesentlichen statische Stil der geldarmen Zeit entgegenkam
und entsprach, so wird man doch keinen
Augenblick zögern, der unerschöpflich neuen und
geistreichen Bildung von Grundrissen, was bei der
schiefwinkeligen Anlage von Karlsruhe keine einfache
Sache war, das Prädikat „klassisch" zuzuerkennen
. Kaum eine Stadt wird sich finden, in der
die spitz- und stumpfwinkeligen Eckbauten so vielseitige
und durchaus meisterhafte Lösungen gefunden
haben. Daß Weinbrenner ein für die damalige
Zeit hervorragender Theaterbaumeister war, ist
aus den mehrfachen Entwürfen und Ausführungen
von Theatern in Karlsruhe, Baden-Baden, Leipzig
und Düsseldorf zu ersehen. Auch als ein höchst
eigenartiger und origineller Denkmalbildner wird
Weinbrenner anzusprechen sein.

Bei den in den letzten Jahren auffallend hervortretenden
Architekturleistungen moderner Baukünstler
wird es gewinnreich sein, sie einmal im
Lichte der Weinbrennerschen einheitlichen Leistung
zu messen und sie überhaupt mit der Kunst

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