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IM ROSENGARTEN H. IN HAMBURG □ ENTWURF U. AUSFÜHRUNG: JACOB OCHS, GARTENBAU, HAMBURG
vergangener Zeiten in Verbindung zu bringen. Die
Alten würden kaum schlecht wegkommen. Weinbrenner
, der mit seinem Lebenswerk fast völlig erschöpfend
zusammengefaßt ist, würde ebenso gewinnen
, wie viele seiner Zeitgenossen und Nachfahren
, deren Werke allerdings auch im ganzen
durchforscht werden müßten.
Interessant und wertvoll wäre gewesen, auch
etwas Eingehenderes über den Innenarchitekten
Weinbrenner zu erfahren, wozu an Stoff es in
noch erhaltenen Räumen und Plänen nicht fehlt.
Das Weinbrennerbuch ist vortrefflich ausgestattet
mit Grund- und Aufrissen, Plänen und Entwürfen
, so daß das Werk Weinbrenners ziemlich
vollzählig übersehen und nachgeprüft werden
kann. Zugleich ist es eine Fundgrube musterhafter
Grundrißbildungen und wird nicht bloß dem Forscher
, sondern auch dem praktischen Architekten
ein willkommener Führer sein. Bgr.
Fischer, Theodor. Sechs Vorträge über
Stadtbaukunst. München, R. Oldenbourg. — Preis
M. 5.-.
Der bekannte Münchener Architekt Theodor
Fischer hat in diesem Büchlein sechs Vorträge,
die ursprünglich für Volkshochschulkurse bestimmt
waren, der breiteren Öffentlichkeit übergeben. Sie
wollen nicht erschöpfend das schwierige Gebiet
behandeln, sondern nur die wesentlichsten Fragen
knapp skizzieren, und auf die wichtigsten Punkte
künstlerischen Stadtbaues hinweisen. Drei Grundelemente
stellt Fischer für den Städtebau in den
Vordergrund: Die Verkehrsfrage, die Wohnfrage
und die Anpassung an die Natur. Die Verkehrsfrage
wurde vielfach zum Moloch, der alle übrigen
kulturellen Erfordernisse vernichtete. Und
doch wieder schafft sie bei richtiger Anwendung
Straßenraum und Platzgestaltung,wichtigste Raumbildungen
des Stadtbaues. Das zweite Grundelement
ist die Wohnfrage, nicht im engen Sinn des
Erstellens von Behausungen für Menschen, sondern
in dem weiteren des Schaffens von Unterkunftsmöglichkeiten
auch für alle übrigen Lebensbedingungen
der Stadtbewohner, ihrer Betriebe, der
Stätten des öffentlichen Lebens, der sozialen Gemeinschaft
bis zum Kultbau. Sind Verkehrsweg,
Straße und Platz, in erster Reihe Raumgebilde,
so sind die Hausbauten vor allem Körper und
Masse und in ihnen erst Räume. Die Zusammenschließung
einer Mehrheit einzelner Bauten zum
Baublock gibt den zweiten großen Gestaltungsfaktor
des Stadtbaues. Ihre Orientierung im Gesamtplan
der Stadt nach der Art ihrer Besonderheit
, Wohnung, Geschäftshaus, Fabrik ist wichtigstes
Erfordernis guter Stadtplanung. In ihr aber
war zu allen Zeiten ein Mittelpunkt vorhanden,
das, was an öffentlichen Bauten, an allen Gemeinsamem
, dem täglichen Leben Entrückten über
die Erfüllung niederer Bedürfnisse zu Höherem
strebte: Palast, Rathaus, Volkshaus, Theater, Kirche
. Im Altertum Tempel und Gymnasion, im
Mittelalter die Kathedrale, in der Blütezeit des
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