Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 245
(PDF, 108 MB)
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ARCH. O. PRUTSCHER-WIEN

Ausführung: P. Barbasch, Wien

SALON-SITZGARNITUR

NEUE ARBEITEN VON OTTO PRUTSCHER

Schlimmer als anderswo sind bei uns die Folgen
des Krieges. Und nirgend sind sie so fühlbar,
so gefahrvoll wie im Bereiche des Möbels. Denn
wenn das übrige Kunsthandwerk noch einen
Rückhalt in der persönlichen Widerstandskraft
und Gesinnung seines Erzeugers findet, sind an
dem weitverzweigten Betriebe des Möbels Handwerk
, Gewerbe, Industrie und Handel, Künstler
und Unternehmer, Persönlichkeit und Masse unlösbar
beteiligt. Und je mehr Menschen, je mehr
Berufsarten daran teilnehmen, desto leichteres
Spiel haben die feindseligen Gewalten des Tages,
die sich mit diesem seit alters her blühenden,
künstlerisch und volkswirtschaftlich gleich wichtigen
Felde österreichischer, namentlich Wiener
Arbeit befassen und heute seinen Fortbestand
geradezu in Frage stellen.

Denn seit vielen Monaten schon sind wir von
einer flutenden Schar fremder Einkäufer, von
Italienern und Schweizern, Franzosen und Holländern
, Skandinaviern, Engländern und Amerikanern
, lauter Leuten einer gesunden oder doch

noch nicht völlig ruinierten Valuta, heimgesucht,
die bei uns — für ihr Geld, aber auf unsere
Kosten — das tolle Fastnachtsspiel des „Großen
Ausverkaufes" veranstalten. Mit ein paar lumpigen
Zetteln, die heute hoch im Kurse stehen,
aber eine bedenkliche Fallsucht zeigen, kaufen
sie alles, namentlich Möbel. Selbst bei den grotesken
Preissteigerungen ist bei uns ein gediegenes,
vom Künstler entworfenes und handgefertigtes
Speisezimmer noch immer für 50000 Kronen zu
haben. Das kaufen sie mit kaum 1000 Schweizer
Franken. Über die Grenze gebracht, ist es mindestens
das Zehnfache wert. Da lohnt es sich
gleich ein Dutzend mitzunehmen. Und wir, die
auf Brot und Bettel Gestellten, laufen ihnen nach.
Wir verschleudern nicht nur unser Produkt, wir
gefährden auch unsere Produktion. Und das ist
weit schlimmer. Um mit der stürmenden Nachfrage
Schritt zu halten, muß der Betrieb eilfertig
sein und möglichst viel hervorbringen. Eine üble
Geschäftigkeit hat angehoben, auch die Starken
und Erbitterten erliegen ihr allmählich, der Wert

Dekorative Kunst. XXIII. 9. Juni 1920

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