http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_42_1920/0282
ARCH. O. PRUTSCHER BÜCHERSCHRANK UND SEKRETÄR
Ausführung: Joh. Halmschlager, Wien
des Werkes, die Freude und das Selbstbewußtsein
der Arbeit nehmen erschreckend ab. Wir
treiben ein gefährliches Spiel. Ohnmächtig und
würdelos ist unsere Gegenwart, ärger noch steht
es — wenn wir nicht im letzten Augenblick innehalten
— um unsere Zukunft. Denn die verschacherte
Ware läßt sich durch neue ersetzen,
aber eine entwertete Arbeitsgesinnung ist — einmal
verloren — nicht ohne weiteres wiederzugewinnen
. Endlich müßten wir das erkennen: es
geht nicht so sehr um das Produkt, sondern
um den Geist der Produktion, um ihren und
unsern Charakter.
Der Zusammenbruch hat aber auch dem Möbelbetrieb
, soweit er dem örtlichen, inländischen
Bedürfnis dient, eine fatale Alternative gestellt.
Einheimische Käufer sind ja im Augenblicke
nur die Emporkömmlinge, die aus naheliegenden
Gründen vom Tischler dasselbe wünschen wie
von ihrem Schneider: nämlich ein Kostüm, kein
Kleid, und dann die Unzahl herabgekommener
Existenzen, die sich dem Proletarier zugesellt
haben und irgendwie wohnen müssen. Also entweder
Protzen- oder Notstandsmöbel. Auf die
Arbeitbezogen,heißtdas: entweder Aufpulverung
zu einer repräsentativen Virtuosität oder typischer
, maschineller Zuschnitt. Kunstgewerbe oder
Kunstindustrie. Also in beiden Fällen Entwertung
des Erzeugnisses wie des Erzeugers und Ausschaltung
des Kunsthandwerks.
So weit wären wir im Laufe nur weniger
Monate gekommen. Der Mittelstand und der
Großbürger, beide die eigentlichen Träger unseres
Kunsthandwerkes, sind ausgeschieden. Die
Edelarbeit weiß nicht wohin. Gewissen und Natur
verhindern sie, den neuen Mächten zu dienen.
Denn so wenig ihr Gewissen erlaubt, den groben
Geschmack der über Nacht Emporgeschnellten
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