Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 42. Band.1920
Seite: 252
(PDF, 108 MB)
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ARCH. O. PRUTSCHER b SPEISEZIMMER-STUHL

Ausführung: A. Ostatek, Wien

Ob Kleid, ob Tischdecke, ob Vorhang, ob
Schal, ob Polster oder Teppich — »wer
wüßte da den Unterschied?" Wenn es nur
„interessant", bunt und ornamentreich war...
In letzter Linie aber entscheiden ja doch die
Käuferinnen darüber, was sie tragen wollen.
Und so werden die kunstgewerblichen Kleider
in erster Linie von ihren Urheberinnen
selber getragen. Womit natürlich nicht gesagt
werden soll, daß nicht auch die offizielle
Mode zuweilen häßlich sein und aus
der Hand eines „ersten" Schneiders ein wahres
Schreckensgebilde hervorgehen kann.

In Paris war die kunstgewerbliche Invasion
in das Gebiet der Mode im ganzen durch
die besondere Kraft der lokalen Tradition
und den ästhetischen Konservatismus der
gallischen Rasse in mäßigen Grenzen gehalten
worden. Wohl begann der Schneider
Poiret, der durch seine Wandervorführungen
vielleicht im Auslande maßgebender wurde
als in Paris selbst, nach der Richtung des
kunstgewerblichen Eigenkleides hin zu wirken
, blieb aber doch Schneider, d. h. ein der
Frauenschönheit dienender Qualitätshandwerker
. Nun scheint freilich das Fieber der
Kriegs- und Nachkriegszeiten die zentrifugalindividualistischen
Kräfte in der französischen
Mode doch verstärkt zu haben. Die Schneider
rangieren sich offen unter die „bildenden Künstler
" und haben zur Vorführung ihrer letzten
Kreationen die Gastfreundschaft des Pariser
Herbst-Salons in Anspruch genommen.

Diese Neuerung gab unlängst dem Kunstschriftsteller
Henri Clouzot Anlaß zu klugen
Ausführungen in der „Europe Nouvelle", aus
deren bemerkenswertem Inhalt hier einiges wiedergegeben
sein mag.

„Die Mode", sagt Clouzot, „hat sich zum
Unterschied von der anderen Luxusindustrie,
von der Tendenz zum Kopieren alter Stile völlig
freigehalten. Die Frauenkleidung bleibt eine
Sache des Frauengeschmacks. Gewiß läßt sich
die moderne Eva, ohne aufzumucken, von den
Orakeln der Oberpriester ihres Kults leiten.
Aber sie gehorcht bloß ihrem Instinkt, ihrer
Vorliebe für eine Form oder Farbe. Ist ihre
Toilette gelungen, so trägt sie sie gern. Aber sie
hat keinen Augenblick den Gedanken, ein Kunstwerk
am Leibe zu haben. Ist die Saison vorbei
, so tut sie ihren Rock nicht in eine Vitrine,
sondern sie schenkt ihn ihrem Stubenmädchen."

ARCH. O. PRUTSCHER s SPEISEZIMMER-ARMSTUHL

Ausführung: A. Ostatek, Wien

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